Geldmenge
Unter dem Begriff Geldmenge verstehen Wirtschaftswissenschaftler, vereinfacht gesagt, den in einer Volkswirtschaft vorhandenen Bestand an Geld, der sich nicht bei Banken befindet. Der Umfang der Geldmenge kann auf verschiedene Arten verändert werden. In erster Linie ist die jeweilige Zentralbank dafür zuständig, die Entwicklung der Geldmenge zu beobachten und gemäß den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Einfluss darauf zu nehmen. In der Eurozone ist dies die Europäische Zentralbank (EZB).
Ganz allgemein gibt es verschiedene Konzepte für die Geldmenge, sowohl im Rahmen der Volkswirtschaftslehre als auch bei den unterschiedlichen Zentralbanken. Die Bezeichnung für die Geldmenge sowie die untergeordneten Geldmengen ist zwar immer gleich, sie beginnt jeweils mit einem M (vom englischen Wort “money” für Geld) und wird gefolgt von einer Zahl, die die jeweilige Untermenge beschreibt. Dabei ist M1 die kleinste Untermenge, während M2 die Untermenge M1 einschließt und darüber hinaus weitere Punkte umfasst; das gleiche gilt für M3.
Gleichzeitig bedeutet eine niedrige Zahl, dass die damit beschriebene Geldmenge besonders nahe an unmittelbaren Transaktionen in der realen Wirtschaft ist. Kurz gesagt: Je kleiner die Zahl ist, desto größer ist die Nähe zu unmittelbaren Transaktionen.
Definitionen der Geldmenge
International gibt es keine einheitliche Definition der Geldmenge. Vielmehr haben die verschiedenen Zentralbanken jeweils eigene Definitionen, die in einzelnen Punkten leicht voneinander abweichen. Im Allgemeinen ähneln sich jedoch die Definitionen, exemplarisch sind hier die von der EZB verwendeten Beschreibungen aufgelistet.
Geldmenge M0
M0 bezeichnet den Bargeldumlauf. Darin enthalten sind sämtliche im Umlauf befindlichen Münzen und Banknoten, die sich außerhalb des Bankensystems befinden. Der Kassenbestand von Geschäftsbanken ist in dieser Definition also nicht enthalten, das Bargeld, das sich außerhalb der Länder der Eurozone im Umlauf befindet, dagegen schon.
Geldmenge M1
Die Geldmenge M1 umfasst, wie oben erläutert, die Menge M0, besteht also aus dem im Umlauf befindlichen Bargeld sowie zusätzlich aus den Sichteinlagen der Nichtbanken. Mit dem Begriff Sichteinlagen werden alle Bankguthaben beschrieben, für die keine bestimmte Laufzeit oder Kündigungsfrist vereinbart wurde. Darunter fallen in erster Linie gewöhnliche Giro oder Tagesgeldkonten und ähnliche Produkte.
Geldmenge M2
In der Geldmenge M2 sind neben den Punkten aus M1 auch Einlagen enthalten, für die eine Laufzeit von bis zu zwei Jahren vereinbart wurde, außerdem alle Einlagen, für die eine gesetzliche Kündigungsfrist von höchstens drei Monaten gilt.
Geldmenge M3
Die Geldmenge M3 schließlich beinhaltet neben M2 alle Anteile an Geldmarktfonds, Bankschuldverschreibungen, Repoverbindlichkeiten und Geldmarktpapieren, die eine Laufzeit von bis zu zwei Jahren haben.
Entwicklung der Geldmenge beeinflusst Inflation
Mit dem Begriff reale Geldmenge wird die nominale und preisbereinigte Geldmenge umschrieben. Die reale Geldmenge lässt sich als Quotient aus Geldmenge und Preisniveau darstellen. Eine der wichtigsten Aufgaben einer Zentralbank ist es, die nominale Geldmenge zu steuern, damit ist die reale Geldmenge variabel. Bestimmt wird sie durch die Nachfrage nach Geld.
Vereinfacht gesagt führt eine Vergrößerung der nominalen Geldmenge dazu, dass die reale Geldmenge ebenfalls größer wird. Dadurch, dass nun mehr Geld vorhanden ist, steigt die Nachfrage nach Dingen, die damit gekauft werden können. Durch die größere Nachfrage werden Produkte und Dienstleistungen teurer, dieser Anstieg des allgemeinen Preisniveaus wird als Inflation bezeichnet. Durch die Inflation nimmt die reale Geldmenge wieder ab.
Bedeutung der Geldmenge für die Volkswirtschaft
Um die Chancen für ein Wachstum der Wirtschaft sowie die Risiken der Inflation bestimmen zu können, ist ein Überblick über die Geldmenge in einer Volkswirtschaft unverzichtbar. Bei einer so genannten Geldlücke ist die nominale Geldmenge zu gering, dadurch wird das Wirtschaftswachstum reduziert. Steigt der Umfang der Geldmenge dagegen stark an, besteht durch die vorhandene Liquidität das Risiko einer hohen Inflation. Die verschiedenen Untermengen sind dabei erfahrungsgemäß wichtige Indikatoren. Während die Entwicklung von M1 als entscheidender Konjunkturindikator gilt, ist die Entwicklung von M3 wichtig für die Inflationsrate.
Entwicklung der Geldmengen M1-M3
Die Entwicklung der Geldmengen M1, M2 und M3 im Zeitverlauf können Sie dem nachfolgenden Diagramm entnehmen:
Entwicklung der Geldmenge M1
© Tagesgeld.info
Entwicklung der Geldmenge M2
© Tagesgeld.info
Entwicklung der Geldmenge M3
© Tagesgeld.info
Entwicklung der Geldmengen M1-M3 im Vergleich
© Tagesgeld.info
Frage & Antworten
Hallo, woher kommt die große Geldmengenzunahme nach der Jahrtausendwende und was stellt eigentlich den Gegenwert der Geldmenge dar ? Ich meine was ist eigentlich soviele Billionen wert in Europa ? Im voraus vielen Dank für Ihre Antwort. Stefan Ott
-
Redaktion antwortete am 28.02.2012 um 7:20:07
Der große Anstieg der Geldmenge nach der Jahrtausendwende fußt auf mehreren Faktoren. Zum einen auf dem vermehrten Drucken von Papiergeld und seit 2011 z.B. auf dem Ankauf von Staatsanleihen. Das sind aber nur zwei von etlichen Gründen. Die Zentralbank kann zum Beispiel nur das Zentralbankengeld (Geldbasis) und nicht die erweiterte Geldmenge wie M3 direkt steuern. Hinter der Geldmenge steht beim heutigen Papiergeldsystem - anders als bei früheren Goldstandards - kein wirklicher Gegenwert, sondern nur eine Art Zahlungsversprechen. Historisch betrachtet sind Papiergeldsysteme ein Experiment, da es sie in ihrer heutigen Form erst seit einigen Jahrzehnten gibt.
Die Grafik "Entwicklung der Geldmengen M1-M3 im Vergleich" erschließt sich mir irgendwie überhaupt nicht. Was geben die Kurven wieder? Die Geldmengen M1-M3? Oder die Differenzen, also eine Kurve M1-M0 (M0 taucht bei Ihnen gar nirgends auf?), M2-M1 und M3-M1? Danke. Detlef Bosau
-
Redaktion antwortete am 24.02.2012 um 17:10:53
Eigentlich ganz einfach: da jede größere Geldmenge die kleineren beinhaltet, ist also M1 in M2 und M2 in M3 enthalten. Daher nennt man so etwas auch Geldmengenaggregate. Differenzen, also M1-M0, können von daher auch nicht auftauchen. Wer Differenzen zwischen den einzelnen Aggregaten sehen will, bekommt das in den Diagrammen veranschaulicht oder kann auch gerne einfach die angegebenen Summen selber substrahieren.
1)Ihre Angaben zu den Geldmengen sollten vermutlich in Billionen und nicht in Mrd. gerechnet werden. 2) Gibt es vielleicht auch Angaben zu der Geldmenge M1 für Deutschland? Vielen Dank
-
Redaktion antwortete am 6.02.2012 um 7:11:47
Sie haben natürlich recht. Die Skalierung ist entsprechend angepasst. Angaben zur Geldmenge M1 für Deutschland gibt es mit Sicherheit, wir werden diese kurzfristig zur Verfügung stellen.
Handelt es sich bei "Entwicklung der Geldmenge M1" um nominale oder reale Daten? Gibt es eventuell die Möglichkeit auch Daten der Jahre 1991 bis 1998 zu bekommen? Danke MFG
-
Redaktion antwortete am 2.12.2011 um 9:31:08
Diese Frage haben wir weiter unten schon beantwortet. Eine Menge gibt immer einen nominalen Wert an, von daher wird die nominale Geldmenge wiedergegeben. In unseren Diagrammen finden Sie die Daten für die Geldmenge M3 von 1980 bis heute, also natürlich auch ab 1991. Bei den Geldmengen M1 und M2 reicht unser Datenmaterial leider nicht weit genug zurück.
Hallo, geben die dargestellten Geldmengen in den Graphiken die nominale oder reale Geldmenge wieder? Gibt es auch noch Daten ab 1991? Liebe Grüße
-
Redaktion antwortete am 1.12.2011 um 21:06:20
Die Geldmengen werden nominal angegeben. In unseren Diagrammen finden Sie die Daten für die Geldmenge M3 von 1980 bis heute, also natürlich auch ab 1991. Bei den Geldmengen M1 und M2 reicht unser Datenmaterial leider nicht weit genug zurück.
Hallo, könnten Sie mir bitte genau erläutern, was unter "Bankschuldverschreibung" zu verstehen ist- sind darin auch normale Unternehmensanleihen, die von Banken ausgegeben werden, enthalten? Wenn ja, warum werden solche Anleihen zu M3 dazugezählt? Danke. Mit freundlichen Grüßen Astrid Linder
-
Redaktion antwortete am 22.09.2011 um 9:49:11
Eine Bankschuldverschreibung ist eine von einem Kreditinstitut herausgegebene Schuldverschreibung, die eine Forderung gegen den Emittenten verbrieft. Diese Forderung besteht im Standardfall aus der Zahlung eines Zinses und der Rücknahme der Schuldverschreibung am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent. Zu den Bankschuldverschreibungen zählen in erster Linie Anleihen und Pfandbriefe.
