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Ziel der EZB: Warum Inflationsrate von 2 Prozent?

Mittwoch den 23.11.2011

Die Definitionen über das Ziel, das die Europäische Zentralbank (EZB) verfolgen soll, könnten eindeutiger nicht sein. Die EZB hat laut ihrem gesetzlichen Auftrag primär der Preisstabilität zu verantworten. Dieses wiederum ist für die Zentralbank dann erreicht, wenn der Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindexes (HVPI) unter aber nahe bei zwei Prozent liegt. Die Gründe für dieses Ziel sind jedoch möglicherweise nicht ganz eindeutig. Wenn der HVPI jährlich um 2 Prozent steigt, ließe die Zentralbank eine Inflation von zwei Prozent zu. Damit wären die Preise doch gar nicht stabil und die EZB hätte ihr Ziel damit nicht erreicht. Das Preisziel ist allerdings vor dem Hintergrund der folgenden Fakten ausgewählt worden:

Die Inflationsentwicklung in Europa wird tendenziell überschätzt und zwar um nicht wenige 0,5 bis 1,5 Prozentpunkte pro Jahr. Diese systematische Überschätzung der Inflation beruht auf einer systematischen Unterschätzung der realen Entwicklung von Einkommen, Produktivität und Wachstum. Daher macht es allein aus diesem Grund Sinn das Inflationsziel auf 2 Prozent zu fixieren und den Messefehlern damit Rechnung zu tragen. Im Übrigen kann diese Tatsache auch dazu herangezogen werden, das Argument von Gewerkschaften zur Forderung einer Lohnerhöhung infolge von Kaufkraftverlusten zu entkräften.

Ein weiterer Punkt ist die Heterogenität des europäischen Währungsraums. Innerhalb der Eurozone gibt es Länder mit tendenziell hohen Inflationsraten und wiederum Länder mit tendenziell recht niedrigen Inflationsraten. Da der HVPI (umgangssprachlich: Inflationsrate) auf Basis eines Durchschnitts errechnet wird, macht es Sinn eine Inflationsrate von 2 Prozent und nicht von 0 Prozent anzuvisieren. Da sich nämlich die unterschiedlichen Inflationsraten der Eurozone ausgleichen müssen, würden zur Zielerreichung in einigen Ländern auch negative Inflationsraten nötig sein um den Durchschnitt auf 0 Prozent zu fixieren. Deflation und ihre ökonomischen Folgen sind allerdings auch nicht gewünscht.

Der harmonisierte Verbraucherpreisindex stößt weitestgehend auf Anerkennung innerhalb der Eurozone. Ihn als Messverfahren zugrunde zu legen macht nicht nur aufgrund der Akzeptanz in der Öffentlichkeit Sinn. Er ist auch schlichtweg notwendig, da die einzelnen Preisindizes, die die Länder verwenden, sehr unterschiedlich berechnet werden und es ansonsten für die Eurozone keinen einheitlichen Warenkorb gibt.


 
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