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Bankenkrise in Italien: Was bedeutet das für Sparer?

Donnerstag den 21.07.2016

Niedrige Zinsen, stagniertes Wirtschaftswachstum und über 300 Milliarden Euro fauler Kredite treiben nun auch Italien geradewegs in eine Krise. Medienberichten zufolge soll auch die älteste Bank der Welt und zweitgrößte Bank Italiens, die Monte die Paschi di Siena, kurz vor der Pleite stehen.

Die Größe des Landes und die enge Verflechtung mit der Eurozone machen eine italienische Krise wirtschaftlich gesehen deutlich gefährlicher als die noch vor einem Jahr in Griechenland. Zur aktuellen Situation in Italien befragt (RP Online vom 20.07.2016), sieht der Bankenexperte Prof. Dr. Hans-Peter Burghof den Hauptgrund vor allem im Versagen der italienischen Notenbank in der Finanzkrise 2008: „Damals hätte sie viel schärfer hinschauen und sanktionieren müssen.“ Mit einer Verschuldung von über 130 Prozent steht Italien zwischen Griechenland und Portugal auf dem zweiten Platz in der Eurozone.

Welche Konsequenzen drohen deutschen Sparern?

Für Sparer mit Anlagekonten bei italienischen Banken, wie Banca Sistema oder Banca Farmafactoring gilt die gesetzliche Einlagensicherung Italiens. Da die Zahlen beider Banken allerdings für solide Solvenz- und Profitabilitätsverhältnisse sprechen, dürfte ein solches Szenario für Kunden aktuell kein Thema sein. Im Falle einer Pleite soll der Fondo Interbancario di Tutela die Depositi (FITD) jeden Kunden mit bis zu 100.000 Euro entschädigen. Bei der Umsetzung könnte Italien tatsächlich an seine Grenzen stoßen.

Angesichts der auf 100.000 Euro begrenzten Anlagesummen bei den vorgenannten Banken, sind die Anleger auch nicht von den neuen Richtlinien zur Bankenrettung betroffen. Diese schreiben vor, dass vorrangig Aktionäre, Anleihegläubiger sowie die Sparer mit ihrem (die 100.000 Euro übersteigenden) Guthaben für die Sanierung bzw. Abwicklung ihrer Bank einstehen müssen (sog. „Bail-In“). Mit dem erst am Dienstag ergangene Urteil bestätigte der Europäischen Gerichtshof (EuGH, Az. C-526/14) die Rechtmäßigkeit der strengeren Kriterien an die staatliche Bankenrettung der EU-Kommission.

Auch deutsche Versicherer betroffen

Wie eng der deutsche und italienische Finanzsektor verwoben sind, zeigen unter anderem die HypoVereinsbank als Tochter der italienischen UniCredit sowie die Generali, als drittgrößter europäischer Versicherungskonzern. Generali hat in Deutschland viele Tochterunternehmen und Marken, darunter CosmosDirekt, AachenMünchener oder auch die Central Krankenversicherung. Aufgrund des recht guten Rendite-Risiko-Verhältnisses griffen vor einigen Jahren auch hiesige institutionelle Anleger, wie Versicherer, zu italienischen Anleihen. Somit wird die Krise auch deutsche Versicherungskunden indirekt treffen.

Mäßiger Ausblick für andere EU-Staaten

Experten gehen davon aus, dass vor allem die aktuelle Niedrigzinspolitik auch die vermeintlich starken Staaten in den kommenden Jahren treffen wird. Für die Geldhäuser wird es immer schwieriger Gewinne zu erwirtschaften, um notwendiges Kapital für die Bücher zu erwirtschaften. Spätestens mit den anspruchsvollen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften von Basel IV dürften viele Geldhäuser an ihre Grenzen stoßen.


 
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