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Bank of England und Federal Reserve wollen Leitzins anheben

Mittwoch den 10.09.2014

Es tut sich etwas in Sachen Leitzinsen. Während die Europäische Zentralbank am Donnerstag der vergangenen Woche eine weitere Senkung des Leitzinssatzes bekanntgab, geht es in anderen wichtigen Volkswirtschaften dieser Welt langsam aber sicher in eine andere Richtung. Die Notenbank des Vereinigten Königreichs, die Bank of England, und die Federal Reserve, die Notenbank der USA, gehen in Richtung Leitzinserhöhungen.

Bank of England Notenbank-Chef deutet Leitzinserhöhung an

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© Bank of England

Im Frühjahr 2015, und damit schon in wenigen Monaten, plant die Notenbank laut ihres Chefs Mark Carney die Erhöhung des Leitzinssatzes. Laut Medienberichten ließ Carney gestern in Liverpool auf einem Gewerkschaftskongress verlauten: „Sie können sich darauf einstellen, dass die Zinsen zu steigen beginnen werden.“

Damit deutet der Chef der Bank of England an, was sich in den letzten Monaten schon langsam angekündigt hat: Die Notenbank beginnt im kommenden Jahr mit der Zinswende. Die Zinserhöhung soll Schritt für Schritt erfolgen, zudem soll die Leitzinserhöhung begrenzt werden.

Zeitpunkt der Zinswende bereits festgelegt

Bei der Erhöhung des Leitzinssatzes und dem damit einhergehenden Beginn der Zinswende in Großbritannien, kommt es laut Notenbank-Chef Carney darauf an, dass die Entwicklung der Märkte den Erwartungen folgt und ab dem Frühjahr des kommenden Jahres zu steigen beginnt. Zusätzliche Arbeitsplätze für 1,2 Millionen Personen würden geschaffen und ein Einpendeln der Inflationsrate bei 2,0 Prozent würde stattfinden.

Sollte all dies zusammentreffen, wird die Bank of England nach heutigem Stand in 2015 das Ende der Politik der niedrigen Zinsen und des billigen Geldes  einläuten und die Zinswende in Angriff nehmen. Carney stützt sich damit auf die aktuellen Prognosen der Notenbank.

Leitzins seit 2009 auf historisch niedrigem Niveau

Der Leitzins der Bank of England liegt bereits seit März 2009 auf dem historisch niedrigen Niveau von 0,50 Prozent. Bereits seit einigen Monaten deutet sich, aufgrund des Wachstums des britischen Wirtschaft, eine Leitzinserhöhung an.

Quellen:

  • Deutsche Bundesbank
  • Federal Reserve System
  • Bank of Japan
  • Schweizerische Nationalbank
  • Bank of England

Bereits im August dieses Jahres hatten sich Teile des Ausschusses, welche in der Notenbank für die Entscheidungen geldpolitischer Maßnahmen zuständig sind, für eine sofortige Leitzinserhöhung ausgesprochen. Noch war es dem Rest des Ausschusses aber zu früh, die Zinswende gleich einzuläuten. Doch in wenigen Monaten dürfte es, bei Erreichen der prognostizierten Entwicklung, der Fall sein. Zu erwarten ist im ersten Schritt eine Erhöhung des Leitzinssatzes durch die Bank of England um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent.

Peilt Federal Reserve Leitzins von 1,0 Prozent an?

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© University of Michigan

Einer Studie der Federal Reserve Bank San Francisco nach soll die US-Notenbank für das Ende des kommenden Jahres einen Hauptrefinanzierungssatz für die Banken (= Leitzins) von 1,00 Prozent anpeilen. Derzeit liegt der Leitzins bei null bis 0,25 Prozent und befindet sich damit seit dem 16. Dezember 2008, dem Datum der historischen Leitzinssenkung in den USA, auf dem gleichen Stand.

Ob die Zinswende damit schon in diesem Jahr beginnen könnte, ist eher unwahrscheinlich. Doch im Frühjahr 2015 könnten bei der Federal Reserve, wie bei der Bank of England, die ersten Leitzinserhöhungen stattfinden. Bis Ende 2015 soll der Leitzins dann auf 1,0 Prozent stehen, würde die Studie aus San Francisco entsprechend umgesetzt werden. Bis Ende 2016 könnte der Leitzins dann sogar auf 2,5 Prozent steigen. Damit würde der Ausstieg der USA aus der Politik des billigen Geldes schnell vollzogen werden.

Experten gingen bislang für die nächsten beiden Jahre zwar mit Zinserhöhungen des Leitzinssatzes aus, legten die Marke für Ende 2015 jedoch auf 0,75 Prozent und für Ende 2016 auf 2,13 Prozent. Die von der Federal Reserve möglicherweise angepeilten Leitzinserhöhungen liegen damit über den Erwartungen der Börsianer und könnten, durch die schnelleren Zinsschritte, zu einer gegenteiligen Wirkung und damit zu einer Abschwächung der Wirtschaft führen. Hier ist deshalb seitens der US-Notenbank und unter ihrer Chefin Janet Yellen viel Fingerspitzengefühl verlangt, um den Märkten diese höheren Zinsanhebungen als positive und nicht zu schnelle Schritte, verkaufen zu können.

Eine Erklärung zur Federal Reserve


 
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