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Leitzins

Der Leitzins – Was ist das? Und was hat dieser Zinssatz mit mir zu tun?

Die Zeiten, als die Bundesbank noch als Notenbank zuständig war und die Höhe des Leitzinses festlegte, sind längst vorbei. Inzwischen gibt die EZB, die Europäische Zentralbank, den Leitzins vor. Doch, was ist das nun eigentlich, der Leitzins? Und welche Rolle spielt er in meinem alltäglichen Leben?

Was ist der Leitzins?

Der Leitzins, den die Europäische Zentralbank für die Länder der Euro-Zone festgelegt, gibt an, zu welchem Zinssatz sich Banken bei ihr Geld leihen können. Der Leitzins legt also fest, wie teuer ein Kredit bei der Europäischen Zentralbank für die Kreditinstitute, die dies in Anspruch nehmen möchten, ist.

Der Leitzins kann deshalb auch als eine direkte Vorgabe der EZB, indirekt aber auch als eine Art gewollte Maßgabe für die Zinsen, die für Kredite verlangt und für sichere Geldanlagen wie Tagesgeld und Festgeld gezahlt werden sollen, gesehen werden. Deshalb spielt der Leitzins nicht nur auf dem Bankenparkett selbst eine Rolle, sondern auch im alltäglichen Leben eines jeden einzelnen Bürgers der entsprechenden Währungszone (bei uns die Euro-Zone).

Der Leitzins ist also eines der möglichen Steuerungsinstrumente auf dem Geldmarkt, mit denen die jeweilige Notenbank, im Falle Deutschlands die Europäische Zentralbank, gezielt in das Marktgeschehen eingreifen und damit indirekt Zinsen für Kredite und Zinsen für Geldanlagen steuern kann.

Nicht immer hilft dieses Steuern durch die Notenbanken jedoch, wie die große Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 zeigte, in denen der Leitzins für die Euro-Zone schließlich auf ein historisches Tief von 1,00 Prozent gesenkt wurde, die Zinsen für Tagesgeldanlagen und Festgeld auch sanken, die Kreditzinsen jedoch nahezu auf dem gleichen Niveau wie vor den massiven Leitzinssenkungen blieben.

Welche Rolle spielt der Leitzins im alltäglichen Leben?

Die Rolle des Leitzinses im Alltag wird immer wieder unterschätzt. So wird mangels Unkenntnis kaum zugehört, wenn der Rat der Europäischen Zentralbank den aktuell geltenden Leitzinssatz bekannt gibt und es interessiert dann natürlich auch nicht, welche Auswirkungen eine Erhöhung dieses so wichtigen Steuerungsinstrumentes für den Geldmarkt auch in unserem Land hat.

Leitzinssenkungen gehen oft unbeachtet vorüber, machen sich dann aber schnell spürbar, wenn die Zinsen für Geldanlage in der Folge der Zinssenkungen plötzlich reihenweise fallen

Ebenso macht sich eine Erhöhung des Leitzinses bemerkbar, wenn daraufhin die Zinsen für Tagesgeldkonten und für Festgeldanlagen ansteigen.

Auf der anderen Seite wirkt sich der Leitzins, den die EZB als für uns zuständige Notenbank vorgibt, auch auf die Zinsen für Kredite aus. So sinken die Zinsen für Kredite meist in der Folge einer Leitzinssenkung, steigen aber an im Zuge einer Erhöhung des Leitzinses, da die Kredite, welche die Geldinstitute bei der Europäischen Zentralbank aufnehmen, dadurch dann auch teurer werden.

Der Leitzins ist also, wie nun ersichtlich wurde, ganz und gar nicht fern von unserem Leben und unserem Alltag. Ganz im Gegenteil. Er wirkt als Element der Steuerung auf den Geldmarkt sehr stark ein. Zwar wirkt dies nicht immer zu 100 Prozent, dennoch ist der Leitzinssatz eines der wichtigsten Steuerungselemente überhaupt, welche in den Händen der einzelnen Notenbanken, im Falle Deutschland in den Händen der Europäischen Zentralbank, liegen.

Was bedeuten Senkungen und Eerhöhungen des Leitzinsesim Einzelnen für Geldanlagen wie Tagesgeld oder Festgeld oder für Kredite?

Was bedeutet ein niedriger Leitzins für Tagesgeld und Festgeld?

Wird der Leitzins durch die Europäische Zentralbank gesenkt, kommen meist schlechte Zeiten auf die Sparer in Deutschland zu. Da der Leitzins als Steuerungselement der Geldmärkte gilt, greift eine Senkung auch auf die Zinsen von Geldanlagen ein.

Das heißt schlicht und einfach:

  • Sinkt der Leitzins, so sinken auch die Zinsen für Geldanlagen mit variablen Zinsen wie es Tagesgeld der Fall ist.
  • Zusätzlich dazu sinken auch die Zinsen für kurzfristige Festgeldanlagen, da sich Banken dann günstiger mit Zentralbankgeld versorgen können und Anlegern keine so hohen Zinsen auf deren Spareinlagen mehr zahlen müssen.
  • Bei langfristigen Festgeldanlagen wirkt sich eine Senkung des Leitzinses meist weitaus weniger gering aus, da es auf lange Sicht gesehen sowieso Schwankungen beim Leitzins geben wird, die dann auch in den garantierten Zins „eingeplant“ werden.

Dies heißt jedoch nicht, dass es sich in Zeiten eines niedrigen Leitzinses nicht lohnen würde, sein Geld auf einem Tagesgeldkonto oder als kurzfristiges Festgeld anzulegen. Da diese beiden Sparformen sehr sichere Möglichkeiten für die Geldanlage sind, lohnen sie sich immer, auch in Zeiten, in denen die Zinsen kein hohes nominales Niveau haben.

Gerade Tagesgeld ist immer sehr sinnvoll, da hier Geld für Sonderausgaben und als stille Reserve zurückgelegt werden kann, welches dabei noch Zinseinträge einbringt. Dazu ist es gleichzeitig noch täglich verfügbar, was es dem Sparer erlaubt, auf Zinsänderungen umgehend zu reagieren.

Gerade wer baldige Ausgaben plant, die aber noch nicht ganz aktuell anstehen, ist gut damit beraten, die Rücklagen dafür auf einem Tagesgeldkonto anzulegen. Dies gilt übrigens auch, wenn für den nächsten Urlaub gespart wird. Ein kleiner Tipp noch an dieser Stelle: Auch beim Tagesgeld und Festgeld hilft ein Vergleich, die besten Angebote zu finden:

Tagesgeldrechner:


Festgeldrechner:


Was bedeutet ein niedriger Leitzins für Kredite?

Wie beim Tagesgeld, wirkt sich eine Leitzinssenkung auch auf die Zinshöhe bei Krediten aus. Während sich dies beim Tagesgeld jedoch durch eine die Sparer nicht freuende Senkung der Guthabenzinsen auswirkt, sieht es im Bereich der Kredite anders aus. Hier sinken im Normalfall nach einer Leitzinssenkung auch die Kreditzinsen, jedoch weitaus langsamer als beim Tagesgeld. Während dort die Banken recht schnell reagieren, tun sie sich bei Darlehen naturgemäß etwas schwer, sind die Kreditzinsen doch eine Einnahmequelle.

Verbraucherfreundliche Banken jedoch ziehen dann auch mit und senken die Zinsen nicht nur für das Tagesgeld und für kurzfristige Festgeldanlagen, sondern auch für Kredite. Wie schon beim Tagesgeldkonto, so gilt auch bei Krediten: Kein Vertragsabschluss, bevor nicht ein Vergleich, das heißt in diesem Falle eine Kreditvergleich, durchgeführt wurde!

Historie des EZB-Leitzinssatzes seit Bestehen der Europäischen Zentralbank

Er hat sich sehr verändert, der Leitzins, den die EZB seit ihrem Bestehen als Notenbank der Euro-Zone ausgegeben hat. In der untenstehenden Tabelle sind die jeweiligen Veränderungen ersichtlich. Festgelegt wird der Leitzins jeweils vom Rat der Europäischen Zentralbank, unter dem Vorsitz des Präsidenten der EZB.

Die Entwicklung des Leitzinses der EZB von 1999 bis heute
01.01.1999 3,00 Prozent +/- Null
08.04.1999 2,50 Prozent - 0,50 Prozent
04.11.1999 3,00 Prozent + 0,50 Prozent
03.02.2000 3,25 Prozent + 0,25 Prozent
16.03.2000 3,50 Prozent + 0,25 Prozent
27.04.2000 3,75 Prozent + 0,25 Prozent
08.06.2000 4,25 Prozent + 0,50 Prozent
31.08.2000 4,50 Prozent + 0,25 Prozent
05.10.2000 4,75 Prozent + 0,25 Prozent
10.05.2001 4,50 Prozent - 0,25 Prozent
17.09.2001 3,75 Prozent - 0,50 Prozent
08.11.2001 3,25 Prozent - 0,50 Prozent
05.12.2002 2,75 Prozent - 0,50 Prozent
06.03.2003 2,50 Prozent - 0,25 Prozent
05.06.2003 2,00 Prozent - 0,50 Prozent
06.12.2005 2,25 Prozent + 0,25 Prozent
02.03.2006 2,50 Prozent + 0,25 Prozent
08.06.2006 2,75 Prozent + 0,25 Prozent
03.08.2006 3,00 Prozent + 0,25 Prozent
05.10.2006 3,25 Prozent + 0,25 Prozent
07.12.2006 3,50 Prozent + 0,25 Prozent
08.03.2007 3,75 Prozent + 0,25 Prozent
06.06.2007 4,00 Prozent + 0,25 Prozent
03.07.2008 4,25 Prozent + 0,25 Prozent
08.10.2008 3,75 Prozent - 0,50 Prozent
06.11.2008 3,25 Prozent - 0,50 Prozent
04.12.2008 2,50 Prozent - 0,75 Prozent
15.01.2009 2,00 Prozent - 0,50 Prozent
05.03.2009 1,50 Prozent - 0,50 Prozent
02.04.2009 1,25 Prozent - 0,25 Prozent
07.05.2009 1,00 Prozent - 0,25 Prozent
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