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Die private und betriebliche Altersvorsorge in der Niedrigzinsphase

Die Einschätzung von Pensionskassen und Lebensversicherern zum aktuellen Marktumfeld

Die Niedrigzinsphase zieht weite Kreise und betrifft weit mehr als nur die Spareinlagen bei Banken. Auch Versicherungen sind in den Sog geraten. Tagesgeld.info hat daher bei über 20 Assekuranzen und Pensionskassen nachgehakt, welche Konsequenzen das aktuelle Marktumfeld für die private und die betriebliche Altersvorsorge hat. Die Unternehmen gestehen zwar ein, dass es schwerer geworden ist, mit dem Geld der Versicherten zu arbeiten, sehen sich aber allesamt sehr gut aufgestellt und auch für eine länger anhaltende Zinsflaute gewappnet. Vor allem aber warnen sie davor, die Vorsorge aufgrund von Unkenrufen schleifen zu lassen.

BdV: "Finger weg von Kapitallebensversicherungen"

Dieser Hinweis steht nicht unbegründet im Raum. Spätestens seit die Zinsen zum Sinkflug angesetzt haben und der Garantiezins für Lebens- und Rentenversicherungen auf 1,75 Prozent nach unten korrigiert wurde, mehren sich die Stimmen, die offen die Rentabilität der Policen infrage stellen. "Finger weg von Kapitallebensversicherungen lautet die Devise – abgesehen von wenigen Ausnahmen", mahnt zum Beispiel der Bund der Versicherten (BdV). Ähnlich lautende Empfehlungen wurden in jüngster Zeit öfter publiziert. Der Grund: die Niedrigzinsphase.

Entwicklung des Garantiezinses von Lebensversicherungen


Gewinnverlust bei Senkung des Garantiezinses von Lebensversicherungen


Zinsniveau und Renditen

Der Zusammenhang zwischen Zinsniveau und kapitalbildenden Versicherungen ist schnell erklärt: Das Geld der Versicherten liegt nicht auf der faulen Haut, sondern muss fleißig arbeiten, um den garantierten Zins und möglichst auch einen Zinsüberschuss zu verdienen. Das wird in Zeiten billigen Geldes immer schwerer. Von daher ist die Frage, ob sich der Abschluss einer Renten- oder Lebensversicherung überhaupt noch lohnt, durchaus legitim. Komplizierter wird es mit Blick auf die Pensionskassen. Vom Prinzip her gelten die gleichen Rahmenbedingungen. Sollte es aber tatsächlich dazu kommen, dass die Zinsversprechen für die betriebliche Altersvorsorge nicht gehalten werden können, sind die Unternehmen in der Pflicht. Das bestätigte der Bundesgerichtshof am 19. Juni 2012 (Aktenzeichen: 3 AZR 408/10). Im Urteil heißt es: "Hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer Leistungen der betrieblichen Altersversorgung zugesagt, die über eine Pensionskasse durchgeführt werden sollen, und macht die Pensionskasse von ihrem satzungsmäßigen Recht Gebrauch, Fehlbeträge durch Herabsetzung ihrer Leistungen auszugleichen, so hat der Arbeitgeber aus dem arbeitsvertraglichen Grundverhältnis für die Leistungskürzung einzustehen." Angesichts von 17 Millionen geht es hier um Milliarden.

Schwieriges Umfeld für die Versicherungsbranche

Die Versicherungsbranche ist sich der Problematik sehr wohl bewusst. "Auf lange Sicht könnte eine weiter anhaltende Niedrigzinsphase zu einer Erosion der Erträge führen und die Risikotragfähigkeit einzelner Lebensversicherer auf eine harte Probe stellen", sagt Dr. Tilo Finck, CFO von Swiss Life in Deutschland. Auch die R+V spricht von einer "großen Herausforderung", die sich unter anderem in den aktuellen Konditionen für Geldanlagen widerspiegelt. "Sichere Zinspapiere wie zehnjährige deutsche Bundesanleihen bieten bei der Neuanlage derzeit lediglich 1,4 Prozent Rendite. Ein Ende dieser Niedrigzinsphase ist nicht absehbar", erklärt der ERGO-Konzern. Das treffe Lebensversicherer und ihre Kunden besonders hart, da ein Großteil der Kapitalanlage in sichere Zinspapiere fließe. "Es ist schwierig, die teilweise hohen Garantiezinsen zu erwirtschaften, wenn sichere Anlagen nur geringe Erträge bieten", so ERGO weiter.

Kalte Enteignung der Sparer

Zufrieden mit der Situation sind die Unternehmen ganz gewiss nicht. "Die politisch gewollte Niedrigzinspolitik zur Sanierung von Banken und Staatshaushalten wird auf dem Rücken der Menschen ausgetragen, die sich selbstverantwortlich um ihre Altersvorsorge kümmern. Wenn die private Altersvorsorge ihren Beitrag zur finanziellen Absicherung der Rentner erfüllen soll, muss die expansive Geldpolitik mittelfristig ein Ende finden, damit die kalte Enteignung der Sparer, unabhängig davon, mit welchen Produkten sie für ihre Rente vorsorgen, ein Ende findet", betont ein Sprecher der Talanx Gruppe. Alois Schnitzer, Pressesprecher der HUK-Coburg stößt ins gleiche Horn: "Wir brauchen dringend einen klaren Fahrplan für das Auslaufen der Maßnahmen des billigen Geldes und der künstlich niedrig gehaltenen Zinsen."

Versicherer sind gut gerüstet

Gleichwohl sehen die Lebensversicherer und Pensionskassen vorerst noch keinen Grund zur Sorge. Sie befinden sich nach eigenen Angaben auf einem guten Weg, auch künftig Ihre Versprechen halten zu können:

Allianz
Debeka
HUK Coburg
Versicherungskammer Bayern
Swiss Life
R+V Versicherung
Talanx Versicherungsgruppe
Nürnberger Versicherungsgruppe
ERGO Versicherungsgruppe

Die Anlagestrategien der Unternehmen

Welche Strategien gefahren werden, um auch weiterhin eine solide Grundlage zu haben, verraten die Unternehmen nur bedingt. "Der Großteil unserer Kapitalanlagen besteht aus Anleihen und Wertpapieren mit fester Verzinsung und höchster Bonität – so haben wir beispielsweise Investitionen in Staatsanleihen der sogenannten PIIGS-Staaten [PIIGS: Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien] konsequent gemieden, diese machen weniger als zwei Prozent unserer gesamten Kapitalanlagen aus", so Swiss Life. Die Allianz Leben "mischt und streut ihre Kapitalanlagen breit in bis zu 50 unterschiedliche Anlageformen". Durch den vorausschauenden Anlagemix würden auch in Niedrigzinsphasen Risiken minimiert und auskömmliche Renditen erzielt.

Grob fahrlässig: die Altersvorsorge vernachlässigen

Deshalb ist es aus Sicht der Versicherer und Pensionskassen "hochgradig fahrlässig", die private und betriebliche Vorsorge schlechtzureden. "Leider werden die Verbraucher aber immer weiter in die Irre geführt. Dazu tragen Ratschläge von vermeintlichen Experten bei, die behaupten, die Bürger sollen für die Altersvorsorge Briefmarken kaufen oder ein schlecht verzinstes Sparbuch nutzen", heißt es bei der Debeka. Sie beobachtet ebenso wie die HUK-Coburg eine sinkende Altersversorgung. Alois Schnitzer bringt es auf den Punkt: "Um es klar zu sagen: Die Zeche zahlt derjenige, der klug ist und zusätzlich verantwortungsvoll privat vorsorgt, um im Alter der Allgemeinheit nicht auf der Tasche zu liegen. Dies ist vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung bedenklich." Und wem Renten- und Lebensversicherungen nach wie vor nicht sicher genug sind, für den hat die Wüstenrot & Württembergische AG einen Tipp: das Eigenheim. Die Mehrheit der Deutschen habe darin schon immer die sicherste und attraktivste Form der Geldanlage und Altersvorsorge gesehen.

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