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So funktioniert ein Konjunkturzyklus

Viele Bundesbürgern fehlt es heutzutage immer noch an ausreichend Wissen zu den Bereichen Finanzen und Wirtschaft. Dies merken die Betroffenen vor allem dann, wenn sie Begrifflichkeiten in den Nachrichten und Zeitungen nicht verstehen, und ihnen die beschriebenen Vorgänge völlig fremd sind. Dabei kann jeder Verbraucher auch als Laie ein gutes Grundwissen in Sachen Wirtschaft aufbauen, um als Sparer und Bürger vor bestimmten Gefahren gefeit zu sein, bzw. diese schon im Vorfeld erkennen zu können. Gerade im Verstehen des Konjunkturzyklus ergeben sich oft viele Antworten auf die drängenden Fragen der Verbraucher von selbst.

Was ist ein Konjunkturzyklus?

Konjunktur ist nichts Anderes als die Wirtschaft eines Landes. Die Volkswirtschaft durchläuft im Laufe der Zeit verschiedene Phasen, welche sich in einem Zyklus darstellen, dem so genannten Konjunkturzyklus. Die jeweiligen Zyklusphasen können unterschiedlich lang sein, nicht immer verlaufen solche Konjunkturzyklen dann auch genauso, wie es in den dazugehörigen Wirtschaftstheorien niedergeschrieben ist.

Anhand des Konjunkturzyklus lässt sich gut ablesen, wie die mögliche zukünftige Entwicklung der Wirtschaft eines Landes aussehen könnte. Das heißt, auf jede der Phasen des Zyklus folgt (im Normalfall) die nächste dahinterliegende Phase. Natürlich ist dies nicht fest gezimmert in Beton, es gibt Ausnahmen von der Regel und nicht immer ist es möglich, anhand des Ablesens des aktuellen Verlaufs des Konjunkturzyklus Prognosen für die nähere oder fernere Zukunft abzugeben.

Die einzelnen Phasen des Konjunkturzyklus haben jeweils auch ihre ganz eigenen Vorzeichen. Diese richtig zu deuten, kann dabei helfen, die nächsten Zyklusphasen rechtzeitig zu erkennen, und für sich selbst umzusetzen. Für Ökonomen, Notenbanker und Anleger ist dies gleichermaßen wichtig.

Die vier Phasen des Konjunkturzyklus

Mitunter gibt es abweichende Theorien zu den unterschiedlichen Phasen eines Konjunkturzyklus. Der Hauptteil der Wirtschaftswissenschaftler und Experten verwendet jedoch die vier bekanntesten Phasen des Zyklus. Dies sind die Expansion (Aufschwung), der Boom (Hochkonjunktur), die Rezession (Abschwung) und die Depression (Tiefphase).
Konjunkturzyklen, Phasen und Verläufe

Jede dieser Konjunkturphasen hat ihre eigenen Merkmale, sowohl im Vorfeld, im Verlauf wie auch in der darauf folgenden Phase des Konjunkturzyklus. So sind die Anzeichen eines kommenden Aufschwungs ganz andere als es die Anzeichen eines kommenden Abschwungs sind. Der Boom wiederum zeichnet sich durch andere Merkmale als die Expansion aus. In der Tiefphase, der Depression, ist der Verlauf ein anderer als es in der Abschwungphase der Fall ist.

Im Nachfolgenden möchten wir uns mit den einzelnen Phasen des Konjunkturzyklus befassen, um Ihnen einen besseren Überblick über deren jeweiligen Verlauf geben zu können. Dazu wollen wir beleuchten, welche Faktoren wichtig sind, und welche Merkmale Hinweise auf einen konjunkturellen Umschwung geben können.

Was ist ein Aufschwung

In der Phase der Expansion, dem Aufschwung, geht es bergauf mit der Wirtschaft. Es kommt vor allem in den Schlüsselindustrien (Autoindustrie, Bauhauptgewerbe, Maschinenbau), aber oft auch in den anderen Bereichen der gewerblichen Wirtschaft zu einem Anstieg der Zahl der Aufträge. Die Produktionskapazitäten erfahren hierdurch eine höhere Auslastung als es bislang der Fall war.

Ebenso kommt es im Verlauf eines Aufschwungs zu einer sinkenden Zahl von Arbeitslosen, die Anzahl der Erwerbstätigen nimmt im Gegenzug zu. Preissteigerungen, die gering sind, sowie Zinsen, die steigen, sind ebenfalls Anzeichen eines Aufschwungs.

Eine Expansion gibt Auskunft darüber, dass sich die Wirtschaft eines Landes wieder auf einem aufsteigenden Ast befindet. Der Konjunktur geht es langsam wieder gut, nach einer Phase des Abschwungs, oder gar nach einer Depression.

Was ist eine Hochkonjunktur

Zwei der wichtigsten Anzeichen eines Booms (Hochkonjunktur) sind die vollständige Auslastung der Produktionskapazitäten und die Vollbeschäftigung. Der Wirtschaft geht es hervorragend, die Arbeitslosigkeit ist rapide gesunken. In der Folge der Auslastung und dem hohen Grad an Beschäftigung kommt es zu einem Anstieg von Löhnen und Gehältern, in deren Folge dann auch die Preise steigen. Ebenso ziehen oftmals die Zinsen an, wenn eine Wirtschaft sich in der Phase der Hochkonjunktur befindet.

Ein Boom, so großartig dieser auch sein mag, ist immer nur eine Zeitlang möglich. Der Übergang in einen Abschwung, und damit in die nächste Phase des Konjunkturzyklus, ist dabei oft schon vorprogrammiert. Wie weit die Wirtschaft eines Landes dann wieder in die Knie geht, und in die Rezession fällt, hängt unter anderem davon ab, wie die Bürger eines Landes auf den Übergang reagieren. Siehe dazu auch den unten stehenden Punkt: „Was Psychologie mit dem Konjunkturzyklus zu tun hat“.

Was ist ein Abschwung

Das Ende der Vollbeschäftigung ist eines der Anzeichen einer Rezession (Abschwungphase). Die Produktionskapazitäten waren in der Hochkonjunktur ausgelastet, im Abschwung wird die Produktion hingegen wieder zurückgefahren, da durch die Rezession die Nachfrage sinkt.

Investitionen, die in den Phasen des Aufschwungs und des Booms gerne von den Unternehmen getätigt wurden, spielen keine Rolle mehr, sie werden zurückgefahren. Es kommt zu Entlassungen, da durch die geringere Auslastung der Produktion weniger Mitarbeiter benötigt werden als noch in der vorangehenden Phase der Hochkonjunktur (oder aber des Aufschwungs, wenn es keinen Boom gab). Zudem sinken die Preise und die Zinsen.

In der Rezession geht es bergab mit einer Wirtschaft. Wie tief es nach unten geht, hängt unter anderem davon ab, wie der Staat möglicherweise mit Subventionen eingreift und was die Notenbanken wie die Europäische Zentralbank dagegen unternehmen. Davon hängt es ab, wie tief der Fall in der Abschwungphase ist und ob darauf ein Konjunkturtief folgt, oder es nach Abklingen des Abschwungs direkt wieder in einen Aufschwung gehen kann.

Was ist ein Konjunkturtief

Die Depression (Konjunkturtief) ist eine Art der Bereinigung der Konjunktur eines Landes. Noch mehr als in der Rezession entlassen die Unternehmen Mitarbeiter, zahlreiche Betriebe müssen zudem Insolvenz anmelden. Die Nachfrage an Krediten sinkt, durch das Ausbleiben der Investitionen aus den Unternehmen wie auch durch das Ausbleiben der Aufnahme privater Kredite. Die Preise sinken, dennoch sinkt oft die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen weiter, weil die Verbraucher durch die Preissenkungen die Hoffnung haben, es ginge noch weiter runter mit den Preisen. Was zugleich ein Merkmal der Abschwungphase ist, aber in der Depression einen noch viel massiveren Verlauf haben kann, bis zum Stillstand der Nachfrage in vielen Bereichen der gewerblichen Wirtschaft.

Aber: auch ein Konjunkturtief dauert meist nur eine begrenzte Zeit an. Danach steigt die Nachfrage wieder, unter anderem, wenn die Bürger merken, dass die Preise nicht mehr weiter nach unten gehen. Durch die steigende Nachfrage kommt es langsam wieder zu einer Steigerung des Angebots, was wiederum nach einiger Zeit in die nächste Phase des Konjunkturzyklus führt, den Aufschwung.

Der Konjunkturzyklus im Überblick

Phase der Konjunktur Anzeichen der jeweiligen Phase
Aufschwung
  • Zahl der Aufträge in der Produktion steigt an
  • Höhere Auslastung der Produktionskapazitäten
  • Sinkende Zahl von Arbeitslosen
  • Steigende Anzahl von Erwerbstätigen
  • Geringe Preissteigerungen
Hochkonjunktur
  • Vollständige Auslastung der Produktionskapazitäten
  • Vollbeschäftigung
  • Arbeitslosigkeit rapide gesunken,
  • Erwerbstätigkeit steigt an
  • Steigende Löhne und Gehälter
  • Steigende Preise
  • Steigende Zinsen
Abschwung
  • Sinkende Nachfrage
  • Ende der Vollbeschäftigung
  • Investitionen werden zurückgefahren
  • Sinkende Preise
  • Sinkende Zinsen
Konjunkturtief
  • Unternehmen entlassen Mitarbeiter
  • Sinkende Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen
  • Sinkende Preise
  • Sinkende Nachfrage an Krediten
  • Investitionen bleiben aus
  • Zahlreiche Unternehmen melden Insolvenz an

Die verschiedenen Steuerungsinstrumente der Konjunktur

Um die Wirtschaft eines Landes oder eines Staatenbundes wie der Währungsunion in eine bestimmte Richtung zu lenken, gibt es verschiedene Steuerungsinstrumente. Sowohl der Staat und/oder Staatenbund wie die Notenbanken haben solche Instrumente, um die Konjunktur in ihrer jeweiligen Phase zu steuern. Damit kann beispielsweise der Wind gedreht werden, wenn absehbar ist, dass eine Rezession in Sicht, oder diese bereits eingetreten ist.

Solche Steuerungsinstrumente sind beispielsweise das Senken des Leitzinses und die Einführung von Strafzinsen für die Banken, wie die Europäische Zentralbank sie für die Euro-Zone entschieden hat. Diese Steuerungsinstrumente können wirken, es kann aber auch sein, dass diese Instrumente nicht greifen und die Konjunktur ihre eigene Richtung weiter beschreitet, unabhängig und abgetrennt von den jeweiligen Steuerungsinstrumenten von Staaten und Notenbanken.

Dennoch ist es für Bürger – und gerade für Anleger – wichtig, die jeweiligen Steuerungsinstrumente der Volkswirtschaften und Notenbanken zu kennen. So können sie erkennen, welche Maßnahmen damit umgesetzt werden sollen und welche Beweggründe hinter diesen jeweiligen Maßnahmen, beispielsweise der Steuerpolitik oder der Geldpolitik, stehen.

Welche Steuerungsinstrumente der Staat hat

Der Staat hat im Verlauf der jeweiligen Phasen eines Konjunkturzyklus bestimmte Eingriffsmöglichkeiten, so genannte Steuerungsinstrumente. Dabei wird im Idealfall davon ausgegangen, dass die eigene Volkswirtschaft in der Phase der Expansion bleibt. Allzu große Abweichungen nach unten oder nach oben sind jedoch nicht erwünscht – weder der Boom noch das Abgleiten in die Abschwungphase ist gewollt. Vielmehr ist ein stabiler Aufschwung gewünscht, mit einem guten Grad an Beschäftigung, einer gewissen Preisstabilität, sowie einer guten Auslastung der Produktionskapazitäten.

Um die Konjunktur des eigenen Landes zu steuern, gibt es verschiedene Möglichkeiten des Staates, sowohl in der Wirtschaft als auch der Infrastruktur, im Bereich des Handels, sowohl im Außenhandel wie im Binnenhandel, in der Finanzpolitik, in der Politik im Bereich der Energie sowie mit fiskalpolitischen Maßnahmen. Zudem kann die Geldpolitik wie die Währungspolitik unterschiedlich stark beeinflusst werden. Durch den Euro als Gemeinschaftswährung mit zahlreichen anderen Staaten sind Deutschland aber in diesem Bereich mittlerweile nahezu die Hände gebunden, von staatlicher Seite aus eingreifend wirken zu können. Anders sieht es beispielsweise in der Schweiz, den USA und Japan aus, die auch bei ihrer eigenen Währung intervenierend eingreifen können.

Steuerpolitik ist ein wichtiges Steuerungsinstrument

Vor allem die Steuerpolitik ist ein wichtiges Terrain, um eine Konjunktur aus einer bestimmten Phase heraus zu führen, zumindest diese bremsen zu können. So werden Steuererhöhungen vorgenommen, wenn sich die Wirtschaft in einer Boomphase befindet, um sie wieder auf den normalen Weg des Aufschwungs zu bringen.

Steuersenkungen hingegen werden vorgenommen, wenn sich die Konjunktur in einer Talsohle, das heißt, entweder in einer Abschwungphase oder einer Tiefkonjunktur, befindet. Steuererleichterungen und -senkungen sollen dann dafür sorgen, dass sich die Wirtschaft erholt und wieder an Fahrt aufnehmen kann.

Das Problem bei einem solchen Eingreifen des Staates über die Fiskalpolitik ist jedoch offensichtlich: Steuererhöhungen wie Steuersenkungen greifen nicht sofort, sondern die Bürger und Unternehmen reagieren erst zeitverzögert auf Veränderungen in diesem Bereich. Dies sind deshalb Maßnahmen, die nur mittelfristig dazu geeignet sind, eine Volkswirtschaft auf den gewünschten Weg zu bringen.

Welche Steuerungsinstrumente die Notenbanken haben

Zwei Möglichkeiten zum Eingreifen haben ganz besonders die Notenbanken, wenn es um die verschiedenen Phasen des Konjunkturzyklus geht. Dies sind zum einen die geldpolitischen Maßnahmen in Sachen Zinspolitik, zum anderen gibt es Maßnahmen, welche die Währung bzw. deren Kurs in eine bestimmte Richtung treiben können, bis hin zur Parität mit einer bestimmten Währung. So machte es die Schweizer Notenbank vor wenigen Jahren mit dem Schweizer Franken. Sie beschloss eine Währungsparität zum Euro, die mittlerweile wieder aufgehoben wurde, nachdem sich der Euro in eine für den Franken ungünstige Richtung bewegt hatte.

Ein weiteres Beispiel hierfür ist die Notenbank Chinas, welche den Kurs der eigenen Währung, des Yuan, bis vor kurzem selbst festgelegt, und damit einen festen Handelspreis vorgegeben hat. Inzwischen ist die Volksrepublik langsam von diesem starren Weg früherer Tage abgewichen und der Yuan ist teilweise frei handelbar, was zugleich Auswirkungen auf den Kurs der chinesischen Währung hat.

Die Festlegung des Leitzinssatzes (Hauptrefinanzierungssatzes der Banken) war einstmals eine sehr wichtige Maßnahme, um eine Konjunktur in eine bestimmte Richtung zu lenken. Inzwischen haben Leitzinssenkungen und Leitzinserhöhungen längst nicht mehr die starken Auswirkungen vergangener Tage. Dies hat sich in den letzten Jahren sehr am Beispiel der USA und der Euro-Zone gezeigt. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte den Leitzins bereits vor Jahren auf ein historisches Tief von 0 bis 0,25 Prozent gesenkt, einen Aufwind für die Wirtschaft des Landes brachte dies jedoch nicht mit sich. Erst als die Fed beschloss, in großem Stil eigene Staatsanleihen anzukaufen, ging es mit der Konjunktur langsam wieder bergauf.

In der Euro-Zone wurde der Leitzins in den vergangenen Jahren stark gesenkt und liegt mittlerweile nur noch auf 0,05 Prozent. Gebracht hat dies für die Wirtschaft der Währungsunion bislang nicht viel. Immer noch gibt es Staaten innerhalb der Euro-Zone, die konjunkturelle Probleme haben. Der niedrige Leitzins plus die eingeführten Strafzinsen für Bankeneinlagen bei der Europäischen Zentralbank haben damit nicht gegriffen, die traditionellen geldpolitischen Maßnahmen seitens der Notenbank sind damit verpufft. Ob das von der EZB inzwischen beschlossene Ankaufprogramm von Staatsanleihen fruchten wird, wird sich eines Tages zeigen müssen.

Ausnahmen und Abweichungen vom Konjunkturzyklus

Eine Volkswirtschaft ist nichts Starres, und die verschiedenen Phasen des Konjunkturzyklus laufen deshalb mitunter nicht so ab, wie es die Theorie vorgibt. Ein solcher Zyklus kann Abweichungen nach oben, nach unten und in jedwede andere Richtung haben. So müssen beispielsweise niedrige Zinsen nicht zugleich auf eine Rezession oder gar Depression hinweisen, sondern können mit einem Aufschwung einhergehen, anstatt die Wirtschaft nach unten zu drücken.

Steigende Preise müssen nicht gleichzeitig bedeuten, dass es bergauf geht mit der Konjunktur sowie fallende Preise (siehe beispielsweise den Ölpreis oder die Entwicklung der Preise in Deutschland in den Jahren 2014 und 2015) nicht immer gleichzeitig auf eine Rezession hindeuten müssen.

Letztlich werden die einzelnen Phasen des Konjunkturzyklus von immer mehr Punkten bestimmt. Die Welt ist inzwischen längst eine andere geworden als sie es zu jener Zeit war, in welcher die großen Wirtschaftstheorien entstanden sind. Heutzutage spielen viele andere Faktoren mit, und der Zyklus ist nichts Starres, sondern wird von vielen verschiedenen Dingen beeinflusst.

Dies wird vor allem dann spürbar, wenn Konjunkturprognosen getroffen werden, wie es in den Jahren der Finanzkrise der Fall war und für Deutschland schon eine Rezession vorhergesagt wurde, die Volkswirtschaft unseres Landes dann aber einen ganz anderen Weg ging. Statt im Abschwung oder gar der Depression, bewegte sich die Volkswirtschaft in einem Aufschwung und teilweise sogar in einem Boom. Die Prognosen der großen Institute waren damit nichts als Makulatur, die Konjunktur folgte ihrem ganz eigenen Weg, abseits jeglicher negativer Vorhersagen.

Viele verschiedene Faktoren bestimmen den Verlauf der Konjunktur

Ein Konjunkturzyklus folgt nicht immer starr dem Verlauf, welchen die Wirtschaftstheorie für ihn vorsieht. Der Verlauf von Volkswirtschaften wird von immer mehr Faktoren bestimmt, welche auf positive oder negative Art Einfluss nehmen. Dazu kommt, siehe auch den entsprechenden Punkt unten, die Psychologie der Menschen eines Landes, der Verbraucher und der in Unternehmen führenden Personen. Diese haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Konjunktur.

Dies hat sich in Deutschland beispielsweise sehr stark gezeigt, als es im Herbst 2008 zum Höhepunkt der Finanzkrise kam, und davon auszugehen war, dass es auch hierzulande zu einem Einbruch der Wirtschaft kommen würde. Jedoch dem war nicht so. Die Menschen reagierten nicht auf die Krisenstimmung und legten ihr Geld unter die Matratze. Sie gingen einen gegenteiligen Weg und konsumierten mit Freude weiter. Die Binnenwirtschaft in Deutschland hatte und hat damit einen großen Anteil am Aufschwung, während es in anderen Ländern stetig bergab ging.

Verschiedene Anzeichen für Wechsel in die nächste Konjunkturphase

Für den Übergang von einer Phase des Konjunkturzyklus in die nächste gibt es verschiedene Indikatoren. Einige der wichtigsten möchten wir Ihnen hier nennen und kurz beschreiben, damit Sie selbst in der Lage sind, diese Anzeichen in Zukunft eher oder besser deuten zu können. Dazu gehören:

• ifo Geschäftsklimaindex
• GfK-Konsumklima
• Kredithürde
• Entwicklung der Aktienmärkte
• Entwicklung der Zinsen
• Entwicklung der Preise
• Entwicklung der Beschäftigung
• Investitionen aus dem Mittelstand

Natürlich sind dies nicht alle Indikatoren, welche auf eine Änderung der Lage der Konjunktur von Deutschland hinweisen. Doch diese Übersicht erleichtert unserer Ansicht nach den Blick auf die Entwicklung der Wirtschaft und macht es Bürgern einfacher, bestimmte Anzeichen zu sehen und verstehen zu können.

Der ifo Geschäftsklimaindex

Der Geschäftsklimaindex des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung an der Universität München gibt Auskunft darüber, wie die Unternehmen aus den einzelnen Bereichen der gewerblichen Wirtschaft die aktuelle Lage ihrer Geschäfte sehen. Zudem geben die Unternehmen in den Befragungen durch das ifo Auskunft über ihre Erwartungen, die sie an den Verlauf der Geschäfte in den kommenden sechs Monaten haben.

Das GfK-Konsumklima

Der GfK-Konsumklimaindex des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK stellt sowohl die Konsumfreude der Bundesbürger, wie auch ihre Sparneigung dar. Je höher das GfK-Konsumklima ist, desto besser geht es der Wirtschaft in Deutschland.

Die Kredithürde

Die Kredithürde des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung gibt Auskunft darüber, wie die Unternehmen in Deutschland die aktuelle Vergabe der Kredite durch Banken bewerten. Wird diese restriktiver, das heißt, vergeben die Banken weniger Kredite und/oder zu schlechteren Konditionen für die Unternehmen, steigt die Kredithürde. Kommen Unternehmen leichter und mit besseren Konditionen an Kredite, sinkt die Kredithürde. Je niedriger die Kredithürde, desto besser geht es der deutschen Konjunktur meist.

Die Entwicklung der Aktienmärkte

Steigen die Aktienkurse, geht es mit der Wirtschaft bergauf. Sinken die Aktienkurse, geht es mit der Wirtschaft bergab. Inzwischen kann man dies längst nicht mehr so starr sehen, wie dies einstmals der Fall war. Dennoch ist die Entwicklung der Aktienmärkte und Aktienkurse nach wie vor ein guter Gradmesser dafür, in welche Richtung sich eine Konjunktur entwickeln kann.

Die Entwicklung der Zinsen

Sinken die Zinsen, geht es in Richtung Abschwung oder gar in Richtung Depression. Steigen die Zinsen hingegen, geht es in Richtung Aufschwung oder gar in Richtung Boom. Hier gilt aber, was auch für die Aktienkurse gilt: einen starren Wegweiser bietet die Entwicklung der Zinsen längst nicht mehr, wenn es um eine Volkswirtschaft geht. Dennoch ist und bleibt die Zinsentwicklung ein wichtiger Faktor zur Bestimmung der jeweiligen Phase des Konjunkturzyklus.

Die Entwicklung der Preise

Steigen die Preise, geht es aufwärts mit einer Volkswirtschaft. Sinken die Preise, geht es mit der Inflationsrate bergab, bis sogar ins Negative, befindet sich eine Konjunktur entweder schon in einer Rezession oder ist auf einem geraden Weg dahin. So zumindest die Theorie. In der Praxis kommen jedoch noch viele weitere Faktoren zusammen, um den Weg einer Volkswirtschaft im Konjunkturzyklus abzeichnen zu können.

Die Entwicklung der Beschäftigung

Ein sehr wichtiger Faktor, der nach wie vor eine hohe Aussagekraft darüber hat, wie es um die Wirtschaft eines Landes bestellt ist, ist die Beschäftigung. Sinkt die Zahl der Erwerbslosen, und steigt die Zahl der Erwerbstätigen, befindet sich ein Land im Aufschwung. Ist sogar die Vollbeschäftigung erreicht, ist das Land in der Hochkonjunktur angekommen und darf einen Boom erleben.

Sinkt hingegen die Zahl der Beschäftigten und die Zahl der Erwerbslosen steigt aufgrund von Mitarbeiterentlassungen, befindet sich eine Volkswirtschaft auf dem absteigenden Ast und ist unterwegs in Richtung Abschwung, eventuell sogar in Richtung Tiefkonjunktur.

Anders als die Entwicklung der Preise und der Zinsen sagt die Entwicklung der Beschäftigung auch heute noch sehr viel darüber aus, wie sich eine Volkswirtschaft entwickeln wird.

Investiert der Mittelstand – oder nicht

Investitionen mittelständischer Unternehmen sind oft ein Gradmesser, wie es um die Wirtschaft eines Landes bestellt ist. Geht es bergab mit den Erwartungen an den zukünftigen Verlauf der Geschäfte, was sich beispielsweise an oben bereits genanntem ifo Geschäftsklimaindex ablesen lässt, streicht der Mittelstand oft seine geplanten Investitionen. Neue Mitarbeiter werden dann nicht eingestellt, die Investitionen am Personal werden dann nicht vorgenommen, selbst wenn diese vorab noch geplant waren. Neue Maschinen werden nicht in Auftrag gegeben, oder angeschafft, und auch in anderen Bereichen wird eher der Rotstift angesetzt.

Aber es gibt Ausnahmen zu dieser Regel: wenn Unternehmen trotz der Krise investieren, und damit das weiter unten angeführte antizyklische Investieren vornehmen.

Was Psychologie mit dem Konjunkturzyklus zu tun hat

Nun können Konjunkturzyklen und ihre Phasen, seien es nun die genannten vier, oder sogar mehr, rein aus der Theorie betrachtet und bewertet werden. Die Geschehnisse, welche zu einer der Konjunkturphasen führen, sind jedoch nicht nur statisch zu betrachten. In der Praxis kommt noch etwas Anderes zum Tragen, das nicht unter den Tisch gekehrt werden darf: die Psychologie.

Bürger und Unternehmen reagieren nicht nur rein statisch auf die Geschehnisse, welche eine Phase einläuten, sondern auch rein menschlich. So kann es sein, dass sich ein Land theoretisch im Aufschwung befindet, aber in den Abschwung „hineingeredet“ wird. Die Bürger des Landes sehen dann nicht das, was in der Praxis tatsächlich vor sich geht, sondern hören nur etwas von „Abschwung“ und dann kann es mitunter wirklich bergab gehen mit der Konjunktur. Und das obwohl es nur statische Hinweise für einen Abschwung gab und durch das rechtzeitige Einsetzen bestimmter Steuerungsinstrumente von Staat und Notenbank hätten vermieden werden können.

Das Handeln von Menschen und Unternehmen und deren Führungspersonen wird deshalb nicht nur von dem bestimmt, was im Realen vorhanden ist, sondern auch von dem, was ihnen entweder eingeredet wird oder sie sich selbst einreden. Im umgekehrten Fall zeigen alle Hinweise in der Konjunktur darauf, dass eine Rezession ansteht, wie es in Deutschland zu der Zeit der Finanzkrise der Fall war. Die Bundesbürger jedoch haben sich nicht von der Krise beeinflussen lassen. Statt sich in das Sparen zurück zu ziehen, was ein Zeichen der Rezession gewesen wäre, wurde weiter dem Konsum gefrönt und damit die Binnenwirtschaft am Laufen gehalten.

Der vor der Tür stehende Abschwung konnte dadurch abgewendet werden. Nach einiger Zeit gelang Deutschland sogar wieder der Sprung in den Aufschwung, während zahlreiche Staaten um uns herum schwer zu kämpfen hatten und nicht gerade wenige sogar vor einer Staatspleite standen.

Dies zeigt, dass die Wirtschaft zwar Signale aussenden kann, die in Richtung einer bestimmten Phase weisen, aber dass es letztlich nur zum Eintreten der jeweiligen Konjunkturphase kommt, wenn die Bürger des Landes und seine Unternehmen zugleich den Weg beschreiten, der in diese Richtung geht. Gehen beide den gegenteiligen Weg und investieren beispielsweise anstatt zu sparen, oder sparen, anstatt zu investieren, kann die Konjunktur einen ganz anderen Verlauf als es in der Theorie der Normalfall wäre.

Wie Anleger den Konjunkturzyklus nutzen können

Die vier Phasen des Konjunkturzyklus sind nicht nur für Experten, Unternehmen und Regierungen aussagekräftig. Anleger können ebenfalls davon profitieren, wenn sie sich die Mühe machen, den Verlauf der Wirtschaft des eigenen Landes und der anderer Staaten zu verfolgen.

Der Grund ist ganz einfach: der Konjunkturzyklus kann unter anderem darüber Auskunft geben, in welche Richtung sich die Zinsen entwickeln werden. Anleger können dann, wenn beispielsweise ein Abschwung naht, und davon auszugehen ist, dass die Zinsen für ihre Ersparnisse sinken werden, diese auf Anlagearten mit einer höheren Rendite umschichten. Oder rechtzeitig mittelfristig sehr gut verzinst anlegen, bevor die Zinsen fallen.

Anders sieht es aus, wenn es zu einem Aufschwung, oder gar zu einem Boom kommt. In Zeiten, in denen es bergauf geht mit einer Volkswirtschaft, zeigt sich dies in steigenden Zinsen und in steigenden Aktienkursen. Anleger, die einen guten Riecher haben und sich immer auf dem Laufenden halten, können somit durch das Betrachten und Voraussehen der kommenden Phase des Konjunkturzyklus die Nase vorn haben. Das heißt, in Zeiten der Rezession oder Depression beispielsweise rechtzeitig Aktien und Wertpapiere zu kaufen, wenn diese günstig zu haben sind. Um dann in den Zeiten des Aufschwungs oder gar der Hochkonjunktur kräftig am Verkauf der in der Rezession oder Tiefkonjunktur gekauften Papiere verdienen zu können.

Investieren in der Krise = antizyklische Investitionen

Der Konjunkturzyklus kann dabei helfen, die Richtung zu erkennen, in welche sich die Wirtschaft gerade entwickelt. Nicht jedes Unternehmen sieht jedoch in einer Rezession oder gar Depression den Grund, sich an der üblichen Marschroute der anderen Unternehmen zu orientieren, sondern geht ganz eigene Wege.

Im Normalfall streichen Unternehmen ihre Investitionspläne in Krisenzeiten, und nehmen entweder Mitarbeiterentlassungen vor oder erlassen zumindest einen Einstellungsstopp für neue Mitarbeiter. Doch nicht jedes Unternehmen verfolgt diesen Krisenweg. Es gibt Betriebe, die gehen genau den gegenteiligen Weg. Statt zu streichen, investieren sie in der Krise und nehmen damit antizyklische Investitionen vor.

Dies mag zwar dem einen oder anderen etwas seltsam erscheinen, doch die Unternehmen, die diesen Weg entgegen der Richtung des Konjunkturzyklus gehen, haben etwas Bestimmtes im Sinn. Sie wollen besser aufgestellt sein als ihre Konkurrenz, wenn die Krise vorübergeht, um dann unmittelbar in den Aufschwung starten und expandieren zu können.

Diese Vorgehensweise liegt nicht jedem Unternehmen und ist nicht von der Größe eines Betriebs abhängig. Hier kommt es darauf an, einen guten, den richtigen Riecher zu haben, um in der richtigen Phase der Rezession oder der Tiefkonjunktur die richtigen Investitionen zu tätigen.

 
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