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Ex-Notenbank-Chef bloggt zu niedrigen Zinsen

Dienstag den 31.03.2015

Erst kürzlich ist der ehemalige Chef der US-Notenbank Federal Reserve, Ben Bernanke, unter die Blogger gegangen. Kaum so in öffentliche Erscheinung getreten, geht Bernanke, diesmal nicht auf entscheidende, sondern auf schreibende Weise ein in der ganzen Welt sehr wichtiges Thema an: die niedrigen Zinsen.

Staatsanleihen nach Laufzeit im Vergleich

Staatsanleihen Laufzeit Zinsen
USA 10 Jahre 1.90 Prozent
USA 30 Jahre 2.50 Prozent
Bundesanleihen Deutschlands 10 Jahre 0.20 Prozent
Japan 10 Jahre 0.30 Prozent
Großbritannien 10 Jahre 1.60 Prozent

Die Zinsen sind, egal ob kurzfristig oder langfristig gesehen, Bernanke nach „außergewöhnlich niedrig in diesen Tagen“. Damit trifft der ehemalige Fed-Chef den Punkt, der es für Anleger inzwischen so schwierig macht eine wirkliche Rendite mit den jeweiligen Anlagearten zu finden. So liegen die Zinsen für

  • Staatsanleihen der USA mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei 1,9 Prozent,
  • für US-Staatsanleihen mit der Laufzeit von 30 Jahren mit 2,5 Prozent kaum höher.

Noch niedriger geht es in anderen Industrienationen mit den Zinsen daher, wie Bernanke weiter ausführt.

  • Für Bundesanleihen (= Staatsanleihen Deutschlands) gibt es mit einer Laufzeit von zehn Jahren nur etwa 0,2 Prozent,
  • für japanische Staatsanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit mit 0,3 Prozent nur wenig höhere Zinsen.
  • Für Staatsanleihen Großbritanniens gibt es immerhin bei der gleichen Laufzeit 1,6 Prozent Zinsen.

Negative Zinsen für Schweizer Staatenanleihen

Während es für die Staatsanleihen der oben genannten Länder immerhin eine positive Nominalverzinsung gibt, sieht dies bei Schweizer Staatsanleihen anders aus. Hier ist für Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit nur noch eine leicht negative Verzinsung drin. Was bedeutet, dass die Kreditgeber sogar an die Schweizer Regierung zahlen müssen, um ihr Geld durch die Staatsanleihen zu halten.

Hierbei wird deutlich, dass Staatsanleihen nicht nur gekauft werden, um eine Rendite zu erwirtschaften, sondern auch um eine Absicherung der angelegten Gelder, welche als Kredite an die einzelnen Staaten vergeben werden, vorzunehmen. Schweizer Staatsanleihen gelten damit, anders als die manch anderer Staaten, als sehr sicher. Was die negative nominale Verzinsung möglich macht.

Warum Zinsen für Unternehmenskredite und Privatkredite höher sind

Die Zinsen, welche für Unternehmenskredite sowie von Privatpersonen für Ratenkredite gezahlt werden müssen, liegen höher als die Zinsen, die für Staatenanleihen fällig werden. Dies liegt nach Bernankes Ansicht vor allem an dem Kreditrisiko. Aber: Die Kreditzinsen für Unternehmen und Verbraucher sind immer noch sehr niedrig auf historischer Basis.

Damit ist in allen Bereichen der Kreditvergabe, in Deutschland auch bei den Zinsen für Baufinanzierungen und Immobilienkredite, erkennbar, dass die Zinsen vergleichsweise niedrig sind. Ein Ende der niedrigen Zinsen sieht der Ex-Chef der US-Notenbank nicht kommen.

Niedrige Zinsen Teil eines langfristigen Trends

Wie Ben Bernanke in seinem Artikel weiter schreibt, sind niedrige Zinsen keine kurzfristige Abweichung, sondern Teil eines langfristigen Trends. So lagen die Zinsen für US-Staatsanleihen in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf einem relativ niedrigen Niveau und stiegen im Jahr 1981 auf einen Höchststand von über 15 Prozent. Danach ging es wieder bergab mit den Zinsen für Staatenanleihen der USA, ein rückläufiger Trend ist seitdem erkennbar.

Laut Ben Bernanke wird das Muster dazu teilweise durch den Anstieg und Abfall der Inflation erläutert. Denn: Investoren verlangen höhere Renditen, wenn die Inflation hoch ist, um die sinkende Kaufkraft des US-Dollar zu kompensieren. Doch die Renditen inflationsgeschützter Anleihen sind heute sehr gering, wie Bernanke weiter schreibt, die wirkliche oder inflationsbereinigte Rendite auf die Kreditvergabe an die US-Regierung mit einer Laufzeit von fünf Jahren liegt derzeit bei rund minus 0,1 Prozent.

Hält die Federal Reserve die Zinsen niedrig?

Es ist immer wieder ein Diskussionspunkt, der sich nicht von der Hand weisen lässt. Wer hat Schuld an den niedrigen Zinsen, unter denen Anleger nun bereits seit längerem leiden müssen? Sind es wirklich nur die Notenbanken wie die der USA? Ben Bernanke weist dies zurück. Seiner Ansicht nach stimmt es nur in einem sehr engen Sinne, dass die Federal Reserve die Zinsen niedrig hält.

Natürlich würde die Fed den Maßstab für den kurzfristigen Nominalzins setzen, durch das Niedrighalten des Leitzinses in den USA (liegt seit mehreren Jahren zwischen 0 und 0,25 Prozent). Aber auch Inflationstrends würden die Zinsen beeinflussen, sowie die primäre Determinante der Inflation und die Inflationserwartungen.

Href fehlt

Bernanke weiter: „Der Realzins ist zum Beispiel für Investitionsentscheidungen am wichtigsten. Die Fähigkeit der Fed, reale Renditen, vor allem längerfristigen Realzinsen, zu beeinflussen, ist vergänglich und begrenzt. Außer in der kurzen Frist, sind die Realzinsen durch eine breite Palette von wirtschaftlichen Faktoren bestimmt, einschließlich der Aussichten für das Wirtschaftswachstum, nicht von der US-Notenbank.“

Wann ist Zeit für eine Zinserhöhung?

Ex-Notenbank-Chef geht auf Verteidigungskurs

Offizielles Portrait des Ex-Chef der US-NotenbankIrgendwie scheint das Herz von Ben Bernanke immer noch für die Federal Reserve, seinen früheren Arbeitgeber, zu schlagen. Der ehemalige Chef der US-Notenbank geht in seinem Blogartikel klar auf Verteidigungskurs für die Fed. Ob er damit seine früheren geldpolitischen Maßnahmen indirekt verteidigen möchte? Irgendwie mutet das für die Leser an, zumindest unsere Ansicht nach zum ansonsten zutreffenden Artikel Bernankes.

Werden die Zinsen irgendwann wieder steigen?

Die Zinsen sind niedrig und werden es möglicherweise auf längere Sicht bleiben. Wie auch Bernanke in seinem Blogartikel darstellt, hat die Entwicklung der Zinsen nicht nur mit dem Handeln der Notenbanken zu tun und ist nicht nur von diesen abhängig. Der Trend geht mittlerweile zu niedrigen Zinsen, was zugleich für Anleger bedeutet, egal ob Großinvestoren oder Kleinanleger, sich neue Wege suchen zu müssen, um ihre Ersparnisse renditestark anzulegen.

Derzeit ist kein Ende der Niedrigzinsphase in Sicht. Einer Illusion bald wieder steigender Zinsen, sowohl für Staatenanleihen wie für Spareinlagen und täglich fällige Einlagen, sollte man sich deshalb nicht hingeben. Sondern sich andere Möglichkeiten suchen, um Gelder gewinnbringend zu investieren. Natürlich geht damit immer ein Risiko einher. Aber mal ehrlich gesagt: Ist dies nicht bei Staatsanleihen längst auch der Fall, wie der Schuldenschnitt bei Griechenland vor wenigen Jahren gezeigt hat?!

Fazit:

So gut Ben Bernanke es mit seinem Blogartikel meinen mag. Anfangs ist er auch für Laien verständlich, verliert sich dann aber in seiner eigenen Experten-Sprache. Ob er seinem eigenen Anspruch als Blogger damit Genüge tun mag? Ein bisschen weniger Fachwörter und dafür mehr dem Leser und der Leserin entgegenkommend, hätte diesem an sich wichtigen Artikel über die niedrigen Zinsen gut getan – unsere Ansicht – Andere mögen dies anders sehen.


 
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