1,07% p.a.



Niedrigzinsen fressen Sparvermögen auf

Montag den 5.08.2013

Derzeit macht eine Zahl die Runde, die viele Sparer aufschreckt. Laut mehrerer Medienberichte hat die Postbank Berechnungen vorgenommen, dass die Sparer durch eine negative Realverzinsung derzeit jährlich 14 Milliarden Euro verlieren. Da wir nicht unbesehen alle Zahlen glauben, die uns in irgendwelchen Medien präsentiert werden, haben wir selbst nachgerechnet – und dabei festgestellt, dass die Berechnungen der Postbank wohl unsauber durchgeführt wurden. Denn: zwar fressen die Niedrigzinsen die Sparvermögen in Deutschland auf, mit den Zahlen des Juni 2013 gerechnet, welche die Bundesbank Ende Juli veröffentlicht hat, ergibt sich ein Minus in der Realverzinsung von gut 12 Milliarden Euro.

Warum wir ein anderes Ergebnis bekommen

Wenn Berechnungen durchgeführt werden, ist es wichtig, auch das richtige Zahlenmaterial als Grundlage zu nehmen. Und das bedeutet, es ist nicht möglich, wenn sauber gerechnet werden soll, Zahlen aus dem einen Monat zu nehmen und diese dann mit Zahlen aus dem nächsten Monaten zu einer Rechnung zusammen zu führen. Dies scheint hier aber genau passiert zu sein. Doch wenn ich die Realverzinsung berechnen will, muss ich auch die Zahlen nehmen, die aus einem Monat sind, und dies bedeutet: ich nehmen das Anlagevolumen sowie den Durchschnittszins aus dem einen Monat und dazu dann auch die Inflationsrate aus dem selben Monat – und nicht die, wie es bei den Berechnungen der Postbank wohl der Fall war, aus dem Folgemonat.

Das bedeutet: ich muss für die Berechnung der Realverzinsung das Anlagevolumen, in diesem Fall der täglich fälligen Einlagen, den von der Bundesbank berechneten Durchschnittszins sowie die vom Statischen Bundesamt berechnete Inflationsrate aus ein und dem selbst Monat nehmen. Und dies ergibt für den Juni 2012 gesehen einen "Zins-Fraß" von gut 12 Milliarden, wie bereits oben geschrieben. Experten gehen übrigens davon aus, dass ein Leitzins von 3 – 4 Prozent – und damit einhergehende Sparzinsen – für Deutschland angemessen sind. Der Schuldenunion der EU zu verdanken, stehen wir stattdessen bei 0,50 Prozent Leitzinsen und Sparzinsen, welche nicht einmal die Inflation ausgleichen!

Was eine negative Realverzinsung für die Sparer bedeutet

Angesichts dieser hohen Zahl muss man natürlich erst einmal schlucken. Die Schere zwischen Sparzinsen und Inflationsrate geht immer weiter auseinander, inzwischen werden für das am besten verzinste Tagesgeldkonto nur noch Zinsen von 1,50 Prozent p.a. gewährt – die Zinsschere hat in diesem Monat schon zugeschlagen.

Zudem mussten die Sparer auch noch mit einer höheren Inflationsrate leben, im Juni waren die Verbraucherpreise noch um 1,8 Prozent gestiegen, im Juli dann schon um 1,9 Prozent. Dies bedeutet, dass die Milliarden, die von der negativen Realverzinsung aufgefressen werden, auf den Monat Juli gesehen,  noch deutlich höher liegen dürften als die von uns berechneten 12 Milliarden Euro. Eine Berechnung für den Juli 2013 ist jedoch erst möglich, wenn die Bundesbank die Zahlen für Juli auf Ende August veröffentlichen wird.

Was Sparer jetzt tun können

Angesichts der weiter sinkenden Sparzinsen, der aber auf der anderen Seite wieder steigenden Inflationsrate stellt sich natürlich die Frage, was Sparer jetzt tun können. Diese Frage ist jedoch nicht so einfach zu beantworten, wie es vielleicht auf den ersten Blick zu sein scheint. Schließlich können auch wir nicht voraussehen, wie sich die Sparzinsen in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln werden. Wichtig ist jedoch eines: bisherige Anlageplanungen vielleicht nicht vorschnell über den Haufen zu werfen, und alles auf Risikoanlagen zu setzen, sondern sich gründlich zu überlegen, wie die eigenen Ersparnisse aufgeteilt werden können, um auf der einen Seite eine gute Rendite erhalten zu können und auf der anderen Seite immer noch einen Teil des Geldes sicher angelegt zu wissen. Und dies ist nach wie vor mit Tagesgeld und Festgeld möglich – auch wenn die Zinsen derzeit alles andere als üppig sind. Doch bei seiner Geldanlage sollte niemand auf eine zumindest teilweise sichere Anlageart verzichten, um nicht im schlimmsten Fall plötzlich ohne alles dastehen zu müssen.


 
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