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Bausparkassen kündigen langjährige Verträge auf

Donnerstag den 12.09.2013

Wie die Verbraucherzentrale Sachsen aktuell berichtet, bekommt sie immer mehr Anfragen von den langjährigen Kunden von Bausparkassen, deren Verträge plötzlich gekündigt werden sollen. Damit gehen die Bausparkassen gegen jene Bausparer vor, welche ihren Bausparvertrag als Geldanlage benutzen.

In der entsprechenden Presseerklärung der Verbraucherzentrale Sachsen zu diesem Sachverhalt heißt es: „Vereinbarte Treueprämien bzw. Boni werden aktuell von einigen Unternehmen nicht erst zum Vertragsende, sondern nun schon früher dem Vertragsguthaben zugerechnet, so dass der Bausparer zeitiger die vereinbarte Bausparsumme erreicht. Ist dieser Zustand erlangt, kann die Bausparkasse den Vertrag kündigen.“

Und genau dies scheint derzeit System zu sein in Deutschland. Die niedrigen Sparzinsen, die es andernorts gibt, lässt zahlreiche Bausparer dazu übergehen, die Einzahlungen für ihre Verträge runterzufahren, damit die Bausparsumme nicht schon erreicht wird. Dies aber ist so einigen Bausparkassen ein Dorn im Auge und sie wollen ihre Kunden loswerden – um nicht weiter die derzeit vergleichsweise hohen Sparzinsen zahlen zu müssen.

Die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen, Andrea Heyer, findet dafür auch recht deutliche Worte: „Ob die Bausparkasse aber mit dem vertraglich vereinbarten Bonus so umgehen kann, ist fraglich – zumindest wenn sich dies nicht eindeutig aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ergibt und anderen Aussagen der Bausparkasse widerspricht“.

Doch es gibt noch eine andere Variante, welche die Bausparkassen derzeit versuchen und zu der Heyer meint: „Dieses Vorgehen ist aus unserer Sicht noch zweifelhafter“. Dabei werden weder der Bonus noch die Treueprämie dem Guthaben im Bausparvertrag zugerechnet, werden aber auch nicht mehr ausgezahlt.

Die in der Werbung gerne so sauber dargestellte Welt der Bausparkassen bekommt damit tiefe Risse. Dies zeigt auf, wie uneigennützig sich Bausparkassen gerne nach außen zeigen, und wie es tatsächlich dann in der Realität aussieht. Weitere Verbraucherbeschwerden dürften folgen. Und betroffene Bausparer sollten dies auf keinen Fall einfach hinnehmen, dass ihr Vertrag gekündigt wird, sondern sich von der nächstgelegenen Verbraucherzentrale beraten lassen oder sich beim vzbv, dem Verbraucherzentrale Bundesverband, erkundigen, was sie nun für Möglichkeiten haben.