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Die Rückkehr zur D-Mark: genialer Schachzug oder Ende des deutschen Wirtschaftswunders?

Dienstag den 16.04.2013

Die Schuldenkrise hat Europa weiter hart im Griff und die Forderungen eines Euro-Austritts von Deutschland werden immer lauter – innerhalb und außerhalb von Deutschland. Mit der „Alternative für Deutschland“, der AfD, tritt nun eine Partei auf, welche die Rückkehr zur D-Mark fordert. Doch ist dies wirklich ein genialer Schachzug oder vielleicht sogar das Ende des deutschen Wirtschaftswunders?

Mit dem 1. Januar 2002 wurde der Euro als Zahlungsmittel in Deutschland eingeführt. Viele Bürger beschwerten sich in der Folgezeit über die gestiegenen Preise, die mit der Währungsreform Hand in Hand gegangen seien. Und tatsächlich nahmen es wohl manche Händler mit der Umrechnung nicht so genau, und schlugen gleich noch ein wenig auf die Preise auf. In den Jahren danach rechneten viele Verbraucher immer noch in der D-Mark, weil sie es gewohnt waren und der Euro ihnen trotz des täglichen Gebrauchs immer noch fremd blieb. Weil er ja keine deutsche Währung war, sondern eine Gemeinschaftswährung mehrerer Staaten.

Dann kehrte langsam Ruhe ein, bis nach der Finanzkrise die Eurokrise kam, Griechenland vor der Pleite stand, Deutschland mit Milliardenhilfen einspringen musste und nun ein Land nach dem anderen mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. In diesen Tenor hinein wurde die AfD gegründet: eine Partei, welche die Rückkehr zur D-Mark fordert, und bereits jetzt, kurz nach der Gründung, auf eine Vielzahl von Unterstützern zählen kann.

Doch ist es wirklich so einfach: weg vom Euro, zurück zur D-Mark? Nein, das ist es nicht. Umso erstaunlicher ist es, dass sich unter den Unterstützern der Alternative für Deutschland sogar Volkswirtschaftler befinden, die es eigentlich besser wissen müssten. Denn: eine Rückkehr zur D-Mark wäre zwar etwas für Nostalgie-Fans, aber sicher nicht gut für die deutsche Wirtschaft. Und dies gleich in zwei wichtigen Bereichen: beim Export und im Bankensektor.

Zurück zur D-Mark = Einbrüche in der Exportwirtschaft

Die Exportwirtschaft in Deutschland hat in den vergangenen Jahren vom Euro profitiert. Wichtige Abnehmerländer sind die Nachbarstaaten in der Euro-Zone, die dank der gleichen Währung und der inzwischen vereinfachten Überweisungs- und Lastschriftverfahren mittels SEPA gerne und viel in Deutschland kaufen. Mit der Eurokrise kam es hier zwar zu Rückgängen bei den Ausfuhren, die Rückkehr zur D-Mark würde jedoch aller Voraussicht nach zu einem starken Einbruch bei den Exporten führen. Dies hätte zwei Gründe, die getrennt voneinander schon massive Folgen mit sich bringen würden. Auf der einen Seite wäre dies die starke D-Mark, die gegenüber den anderen bisherigen Euro-Staaten deutlich höher bewertet werden würde. Dies würde zu Einbußen bei den Ausfuhren führen, die deutlich an der Konjunktur unseres Landes zerren würden. Mitarbeiterentlassungen und mögliche Insolvenzen wären die Folge. Auf der anderen Seite würden die bisherigen Euro-Staaten durch einen Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone und den damit zugleich möglicherweise ausbleibenden Zahlungen aus dem ESM zur Pleite verurteilt. Auch dies würde zu einem Einbruch bei den Ausfuhren führen und wiederum negativ auf unsere Wirtschaft einwirken.

Zurück zur D-Mark = Bankensterben in Deutschland

Die finanziellen Probleme in Griechenland, der Schuldenschnitt für das Land am Mittelmeer und die darauffolgenden milliardenschweren Abschreibungen von Banken in Deutschland hat gezeigt, wie sehr alles in der Euro-Zone zusammenhängt. Gerade deutsche Banken halten zahlreiche Staatsanleihen anderer Staaten der Währungsunion. Durch einen Austritt aus der Euro-Zone und der Wiedereinführung der D-Mark würde es unweigerlich zu Staatspleiten kommen, die wiederum möglichen Bankenpleiten und damit Entschädigungsfälle in Deutschland zur Folge hätten.

Diese beiden wichtigen Bereiche zeigen, wie illusorisch der Austritt aus der Euro-Zone und die Rückkehr der D-Mark sind – wenn man ein wirtschaftlich starkes und stabiles Deutschland möchte. Die AfD mag die Nostalgiker unter uns ansprechen und die, welche immer schon gegen eine Gemeinschaftswährung und / oder ein geeintes Europa waren.  In der Realität haben die Forderungen der Partei nach dem Tabubruch, einer neuerlichen Währungsreform und der damit verbundenen Wiedereinführung der D-Mark kaum Bestand. Weil dies Deutschland mehr schaden als nutzen würde. Kurzfristig würden wir ein paar Milliarden an Hilfszahlungen sparen, langfristig würde uns der Austritt aus der Währungsunion jedoch deutlich Schaden zufügen. Und vor allem zu einem führen: Deutschland auch innerhalb Europas zu isolieren. Doch nur mit einem geeinten und starken Europa sind wir in der Lage, dem wirtschaftlichen Wettbewerb mit den aufstrebenden Schwellenländern standzuhalten und nicht morgen schon im konjunkturellen Abseits zu stehen.


 
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