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100 Euro Bargeld am Tag – Wann kommt der Bankencrash in Deutschland an?

Montag den 25.03.2013

Banken, die mit hohen Zinsen viele Einlagen einsammeln, und dann kommt eine Krise und das war´s dann? Was sich derzeit in Zypern mit einem aufgeblähten Bankenmarkt abspielt, ist gar nicht so fern von Deutschland, wie es vielleicht klingen mag. Hierzulande ist die Gefahr eines Bankencrashs ebenfalls groß, dank des aufgeblähten Kapitalmarkts, das den BIP unseres Landes deutlich übersteigt.

Wer heute nach Zypern blickt, muss auch nach Luxemburg und Deutschland blicken. Die Probleme der kleinen Insel im Mittelmeer könnten schnell auch unsere werden. Wer jetzt verächtlich nach Zypern blickt, der sollte sich ein paar Tatsachen zu Gemüte führen, die sehr nachdenklich stimmen.

Auch in Deutschland locken immer wieder Banken mit hohen Zinsen

Hohe Zinsen, die gegen die Konkurrenz arbeiten und die Einlagen der sparwütigen Deutschen einbringen wollen. Immer wieder hat dies in den vergangenen Jahren auch zu Verlusten bei den Sparern geführt, die auf die höchsten Zinsen für Tagesgeld und Festgeld gesetzt haben und dann plötzlich die Bank dichtmachte, auf der ihre Einlagen angelegt waren. Egal ob isländische Kaupthing-Edge oder die noa Bank, und auch die lettische Parex Bank sei hier nicht vergessen, alle hatten vergleichsweise hohe Zinsen im Angebot und sammelten damit haufenweise das Geld der Sparer ein, auch in Deutschland. Alle drei Banken wurden geschlossen, und immer wieder gab es dennoch neue, verlockende Angebote von hohen Zinsen für Tagesgeldkonten und Festgelder.

Auch der deutsche Bankenmarkt ist aufgebläht, viel mehr als der in Zypern, und niemand weiß, wann hierzulande die Lichter ausgehen werden, wenn die Wirtschaft plötzlich nicht mehr boomt. Bereits im Zuge der Finanzkrise haben Banken in Deutschland staatliche Hilfen erhalten, unter anderem die Hypo Real Estate, die nun als Deutsche Pfandbriefbank auf dem Markt tätig ist und die Commerzbank, gehen weiter auf Kundenfang. Die pbb direkt mit ihrem neu auf dem Markt gebrachten Tagesgeld und Festgeld, die Commerzbank mit Prämie für ihr Girokonto. Die HRE gehört ganz dem Staat, die Commerzbank will sich bald aus den „Fesseln“ lösen und die Finanzhilfen ganz zurückzahlen. Dennoch wird immer ein Geruch über beiden Banken liegen, durch Steuergelder gerettet zu sein, und dann auf Einlagenfang zu gehen, wie die Commerzbank es auch mit ihrer Internet-Tochter comdirect nur allzu gerne macht.

Die löcherige Einlagensicherung ohne wirkliche Garantie

Einlagen bis zu 100.000 Euro sind garantiert, und dies in der ganzen Europäischen Union. Dies wird auch in Zypern so bleiben, nachdem anfangs eine Bankenabgabe von 6,75 Prozent für Einlagen bis zu diesem Betrag vorgesehen war. Diese ist jedoch vom Tisch, nach viel Aufruhr und Medienecho sind sowohl Zypern als auch die Eurogruppe von diesem Entwurf weggekommen. Dennoch geht es den Sparern an die Wäsche, die Einlagen über 100.000 Euro, die bei der Laiki Bank liegen, wird es nicht mehr geben, durch die Aufspaltung der Bank sind diese flöten. Und auch bei der Bank of Cyprus wird es Einschnitte über dieser Sicherungssumme geben.

Doch wie sieht es eigentlich in Deutschland aus, über die gesetzliche Einlagensicherung hinweg? Natürlich gibt es hierzulande Sicherungssysteme über der Anlagesumme von 100.000 Euro. Ob diese im Ernstfall jedoch greifen würden, müsste sich dann zeigen. Anders als die gesetzlich vorgegebene Einlagensicherung bestehen diese zwar auf dem Papier, sind jedoch nicht garantiert und können deshalb vermutlich im Fall aller Fälle nicht eingeklagt werden. Bislang trat ein solcher Ernstfall nicht auf. Sollte die Eurokrise jedoch weiter brodeln und auch Deutschland betroffen sein, wird sich vielleicht zeigen müssen, wie viel wert die Worte sind, die von den Sparkassen und Banken gemacht werden hinsichtlich der Sicherung der Einlagen ihrer Kunden.

100 Euro Bargeld am Tag

Seit gestern Nachmittag können die Bürger Zyperns an den Geldautomaten der beiden großen Banken nur noch 100 Euro Bargeld am Tag abheben. Anfangs lag diese Summe auf 500 Euro, sank dann bei der Popular Bank (Laiki Bank) auf nur noch 260 Euro, bei den anderen Banken auf 400 Euro. Nun gibt es nur noch 100 Euro am Automaten täglich, solange bis Zyperns Banken wieder öffnen werden. Die Laiki Bank wird es dann jedoch nicht mehr geben, sie wird aufgespalten, in eine Good Bank und in ein so genannte Bad Bank. Die Einlagen der Kunden bis zu 100.000 Euro werden auf die Bank of Cyprus übertragen, der Rest der Spareinlagen auf der Laiki Bank gehen verloren. Und auch die Anleger bei der Bank of Cyprus werden Einbußen hinnehmen müssen, von bis zu 40 Prozent, wobei dieser Prozentsatz noch nicht öffentlich bestätigt wurde.

Zypern erhält sie nun, die benötigten 10 Milliarden Euro, nachdem die von den „Rettern geforderten 7 Milliarden Euro selbst erbracht werden können, unter anderem durch die Enteignung der Spareinlagen. Bereits jetzt gehen Experten jedoch davon aus, dass die Rettungssumme von insgesamt 17 Milliarden Euro nicht ausreichen wird, um das hoch verschuldete Land retten zu können. Das Geschäftsmodell von Zypern, hohe Zinsen auf Einlagen aus dem Inland und Ausland, ist damit jedoch am Ende. Und es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis dies auch andere Länder trifft, die trotz eines niedrigen Leitzinses weiter deutlich höhere Zinsen als andere Banken aus anderen Ländern bieten.


 
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