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Expansive Geldpolitik: Sparer und Banken leiden bei negativer Realrendite

Dienstag den 11.12.2012

Die Europäische Währungsunion (EWU) befindet sich nach der Ansicht vieler Ökonomen derzeit in einer finanziellen Repression. Diese wird vor allem durch negative Realzinsen gekennzeichnet. Da sich gemäß der Fisher’schen Zinsgleichung die Nominalzinsen als Summe der Realzinsen und der Inflationsrate ergeben, bestimmt sich der Realzins entsprechend als Differenz zwischen Nominalzinsen und der Inflationsrate. Aktuell liegen die Nominalzinsen – betrachtet man die Zinssätze für Tagesgeldprodukte – im Durchschnitt weit unterhalb der zwei Prozentmarke. Betrachtet man hingegen die Inflationsrate, so liegt diese bei etwa 2 Prozent, möglicherweise über zwei Prozent. Daher ergibt sich eine negative Differenz und damit negative Realzinsen – wie auch unsere Zinsstatistiken zeigen. Dies bedeutet, dass selbst bei Anlage von Geld auf einem Tagesgeldkonto ein möglicher Verlust an Kaufkraft durch die Inflation droht.

Gegen diese negativen Realzinsen und ihre Folgen haben einige Geldmarktteilnehmer nun protestiert und die EZB vor einer weiteren Aufrechterhaltung des niedrigen Zinsniveaus gewarnt. Zwar sind durch die oben beschriebenen Zusammenhänge offenbar in erster Linie Sparer von den Folgen negativer Realrenditen betroffen, aber auch die Banken selbst haben damit zu kämpfen. Denn auch Banken können ihre überschüssige Liquidität als Einlage bei der Europäischen Zentralbank positionieren. Die Verzinsung dort droht angesichts des niedrigen Zinsniveaus ebenfalls negativ zu sein. Experten vermuten, dass bei einem Zinssatz des Hauptrefinanzierungsgeschäfts von derzeit 0,75 Prozentpunkten schon bald mit einem Einlagenzinssatz von -0,28 Prozentpunkten bei der EZB zu rechnen sei. Dies bedeutet konkret, dass die Banken der EZB noch Geld dafür zahlen müssen, dass sie ihre Einlagen bei ihr platzieren. Eigentlich sollte es genau umgekehrt sein.

Die Erwirtschaftung negativer Zinsen über die Einlagenfazilität der EZB hat Konsequenzen für die Banken: Sie erzielen negative Einnahmen und erleiden Verluste. Dies spiegelt sich wohlmöglich dann in höheren Kreditzinsen wieder, die einen weiteren Prozess in Gang setzen: Die Investitionsnachfrage der Unternehmen geht angesichts höherer Kreditzinsen zurück und wirkt sich negativ auf das Bruttoinlandsprodukt aus. Damit hätten die aktuell sehr niedrigen Geldmarktzinsen genau den gegenteiligen Effekt dessen, was die Zentralbank beabsichtigt.


 
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