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Geldanlage, Kredite und Co. – Wie systemrelevant sind Versicherungen wirklich?

Freitag den 23.11.2012

Tagesgeld und Festgeldkonten, Kredite und Baufinanzierungen, all das gibt es mittlerweile längst nicht nur bei Banken, sondern auch Versicherungen haben das Geschäft mit dem Geld längst für sich entdeckt – und bietet mitunter durchaus attraktivere Konditionen als Kreditinstitute an. Doch dies ist nicht unbedingt im Sinne des Gesetzgebers, da Banken einer anderen Aufsicht unterliegen, als es bei Versicherungen der Fall ist.

Eine Versicherung ist eben keine Bank, aber eine Versicherung, die Bankgeschäfte tätigt, müsste der gleichen Gesetzgebung und der gleichen Aufsicht unterliegen, wie auch Kritiker des neuen Geschäftsgebarens der Versicherer immer wieder bekräftigen. Zudem stellt sich bei dieser Art von Geldgeschäften die Frage, wie systemrelevant Versicherungen durch ihre neuen Angebote in Sachen Geldanlage und Kredite sein könnten.

Dies hat inzwischen die europäische Versicherungsaufsicht auf den Plan gerufen. Versicherer wie etwa die AXA oder die Allianz, die mehr als nur Versicherungen anbieten und das Bankgeschäft für sich entdeckt haben, könnten möglicherweise bald unter eine verschärfte Aufsicht gestellt werden. "Wenn Versicherungskonzerne ihr Geschäft auf Aktivitäten außerhalb der Versicherungswirtschaft ausweiten, sollten sie sich darauf gefasst machen, in Bezug darauf wie Banken behandelt zu werden", wird Gabriel Bernardino, der Chef der EU-Aufsichtsbehörde EIOPA, dazu im „Handelsblatt“ zitiert.

Für Versicherer könnte dies möglicherweise harte Einschnitte in ihre Geschäfte bedeuten. Bislang konnten sie ihr Geschäft außerhalb der normalen Versicherungsangebote recht unbehelligt durchführt, dabei heraus kam mitunter das eine oder andere sehr interessante Angebot im Bereich Tagesgeld oder Baufinanzierung (siehe die beiden bereits erwähnten Versicherer AXA und Allianz in unserem Vergleich). Doch dies könnte sich bald ändern, eine verschärfte Aufsicht dürfte den Versicherern jedoch wahrscheinlich eher weniger gefallen.

Inzwischen gibt es Pläne, neben den Banken, die als systemrelevant gelten, auch die als systemrelevant einzustufenden Versicherungen unter eine verschärfte Aufsicht zu stellen. Damit könnte rechtzeitig sichergestellt werden, wenn es zu Problemen mit der Liquidität oder zu anderen Schwierigkeiten kommen würde. Denn: die Versicherer haben durchaus Probleme, wie sich vor allem im Bereich der Kapitallebensversicherungen zeigt. Hier müssen die Versicherer einen Garantiezins stemmen sowie eine hohe Überschussbeteiligung der Versicherten, was möglicherweise in der Zukunft der einen oder anderen Versicherung Probleme bereiten könnte.

Durch das Anbieten von Sparkonten und von Krediten ist zwar ein neues Geschäft entstanden, das durchaus lukrativ ist für die Versicherer, jedoch eben eigentlich nicht zum Tagesgeschäft der Versicherungen werden dürfte. Denn dann ist der Unterschied zwischen einer Bank und einer Versicherung nicht mehr gegeben, was aufsichtsrechtlich ganz neue Wege bedeuten würde. Und damit möglicherweise auch deutliche Einschnitte bei den mitunter recht lukrativen Angebote der Versicherer im Bereich Tagesgeld und Baufinanzierung.


 
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