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EZB-Präsident: Diskutieren immer alle Instrumente der Geldpolitik

Freitag den 9.11.2012

Das aktuelle Niedrigzinsniveau macht vielen Wirtschaftssubjekten nachhaltig zu schaffen. Viele Privatanleger können nur noch geringe Sparzinsen erzielen. Banken können auch mit ihren Eigenanlagen und Kreditpositionen keine großen Zinsmargen generieren. Viele Versicherungen haben ein großes Problem, die für die Bedienung des Garantiezinses notwendige attraktive Verzinsung auf ihr Kapital zu erwirtschaften. Dass niedrige Zinsen letztlich Gewinner und Verlierer hervorruft, ist eindeutig. Schließlich gibt es auch viele Akteure an den Finanzmärkten, die von der expansiven Geldpolitik der EZB profitieren. Dennoch hat sich insbesondere in letzter Zeit der Eindruck manifestiert, dass die Niedrigzinsen bei gleichzeitig moderater Inflation für die Sparer erheblich negative Konsequenzen haben. Die reale Entwertung des Ersparten ist ein existenter Vorgang.

Auf der heutigen Sitzung des EZB-Rats hat EZB-Chef Mario Draghi, der in seiner Amtszeit die Leitzinsen der EZB auf das historische Niedrigniveau von 0,75 Prozent gesenkt hatte, für Sparer weitere schlechte Nachrichten kommuniziert. Draghi kann sich durchaus vorstellen, den Leitzins auch noch weiter zu senken. Dies konnte man auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung des EZB-Rats vernehmen. Vorerst soll das Niveau von 0,75 Prozent allerdings beibehalten werden. Ganz allgemein werde man alle Möglichkeiten der Geldpolitik ausschöpfen, wenn es die Situation im Euroraum erfordere. Expansiv wie restriktiv. "Wir diskutieren immer alle Instrumente der Geldpolitik. Was wir im nächsten Jahr in Sachen Geldpolitik machen, haben wir nicht besprochen", sagte Draghi.

In der Tat agieren Geldpolitiker ständig unter Unsicherheit und können nur sehr schwer langfristige Prognosen über den Einsatz und die Wirkung ihrer geldpolitischen Instrumente machen. Die EZB verfolgt einen Mix aus Zins- und Mengenpolitik, die bei Auftreten realer oder monetärer Schocks zu Zielabweichungen führen können.  Darüber hinaus muss davon ausgegangen werden, dass auch den volkswirtschaftlichen Experten bei der Zentralbank der wahre gesamtökonomische Prozess nicht vollständig bekannt ist. Damit können sie die Wirkung des Einsatzes geldpolitischer Instrumente auf die Zielvariablen nicht exakt quantifizieren. Zudem müssen geldpolitische Wirkungsverzögerungen und die systematische Reaktion der Transakteure auf monetäre Maßnahmen mit eingeplant werden – keine leichte Aufgabe.


 
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