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Jürgen Stark kritisiert aktuelle Euro-Rettungspolitik

Montag den 29.10.2012

Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Prof. Dr. Jürgen Stark, hat sich in der Diskussion um die Lösung der aktuellen Staatsschuldenkrise in Europa eingeschaltet. Er widerspricht vehement dem Lösungskonzept, dass Griechenland um jeden Preis in der Eurozone verweilen lassen wird. Die "gewaltige Finanzierungslücke", vor der Griechenland stehe, lasse sich nicht mit dem aktuell verfolgten Konzept schließen. Schon gar nicht wird das Land nach Ansicht Starks diese Lücke aus eigener Kraft bewältigen können. Es sei weiterhin auf die tatkräftige Unterstützung der Euro-Partner angewiesen, die den Staatsbankrott des Landes auch in Zukunft immer wieder verhindern werden müssen. Damit droht das Land zu einem "Fass ohne Boden" für die gesamte Europäische Währungsunion (EWU) zu werde. Dem Bayerischen Rundfunk sagte Stark daher sinngemäß, dass der politische Wille des Verbleibs Griechenlands in der Eurozone – koste es, was es wolle – stark zu kritisieren sei.

Dieser kritische Umgang mit dem aktuellen Kurs Europas zur Bewältigung der Krise ist schon seit Längerem Starks Gepflogenheit. Nicht zuletzt aufgrund der Ankäufe von Staatsanleihen von schwach bonitärer Eurostaaten durch die EZB hatte sich Stark aus dem Direktorium der Zentralbank zurückgetragen. Als Chefvolkswirt und Direktoriumsmitglied habe er die Politik der EZB so nicht mittragen können. Sie sei nicht mit ihren Statuten und Zielausrichtung vereinbar. Stark trat Ende 2011 von seiner damaligen Position zurück. Auch unter dem neuen EZB-Präsidenten Mario Draghi hat sich der geldpolitische Kurs der Zentralbank bisher jedoch nicht geändert. Erst vor kurzem kündigte Draghi an, dass die EZB erneut Staatsanleihen kaufen werde, sollte dadurch die Stabilisierung der Renditeaufschläge auf die Staatspapiere möglich sein.

Ein neuer EZB-Experte, der nach Stark in das Direktorium gewählt wurde, widerspricht dem ehemaligen Chefvolkswirt. Asmussen geht davon aus, dass die meisten Länder in der Lage sein werden, ihr Defizit unter 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken. Damit würde das Defizitkriterium der Maastrichter Konvergenzkriterien wieder erfüllt. Er schätzt die Entwicklung der Eurozone in Zukunft weitaus optimistischer ein als Stark dies tut.


 
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