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Eurokrise als spieltheoretische Modellierung

Montag den 25.06.2012

Das Studium der Volkswirtschaftslehre beinhaltet eine von den Studierenden oft gefürchtete Vorlesung zur Spieltheorie.  Dabei geht es um die Analyse der Interaktionen von mehreren Akteuren mit dem Ziel gleichgewichtige Lösungen zu prognostizieren. Wenn etwa zwei Verhandlungspartner aufeinandertreffen und eine Entscheidung mit zwei Ausgängen zu treffen haben, wäre es nach einer Analyse der mit diesen Entscheidungen verbundenen Payoffs denkbar, die Lösung des Spiel im Vorfeld vorauszusagen. Dies kann man etwa auf die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften praktisch anwenden. Spieltheoretiker sind in der Lage, den Ausgang von Lohnverhandlungen anhand ihrer Analyseinstrumente vorherzusagen. Häufig liegen sie dabei richtig.

Eine besondere Rolle nimmt dabei das sogenannte Nash-Gleichgewicht ein. Es ist nach dem Mathematiker und Ökonomen John Nash benannt, der dies entwickelt hatte. Seine Lebensgeschichte und auch einige wichtige Elemente der von ihm wesentlich geprägten Spieltheorie sind in dem Film „A Beautiful Mind“ verfilmt worden. Die Theorien, mit denen sich Nash auseinandergesetzt hatte, sind heute relevanter denn je. Insbesondere die Euro-Krise wird häufig spieltheoretisch analysiert – auch als wichtiges Instrument in der Politikberatung kommen die Konzepte zum Einsatz. Nicht nur das interne Dilemma Griechenlands ist gut spieltheoretisch darstellbar, auch die Situation in Europa insgesamt. Spieltheoretisch wird die Situation in Griechenland schnell und prägnant dargestellt. Mit zwei Parteien als Akteuren, bei denen eine für konsequente Haushaltskonsolidierung steht, und die andere für einen expansiven fiskalpolitischen Kurs, ist das einzige Nash-Gleichgewicht die Handlungsoption des Schuldenmachens. Ein griechisches Dilemma, aus dem es sehr schwer ist, sich zu befreien.

Bei der Analyse der gesamteuropäischen Situation kann die Spieltheorie allerdings keine konsequente Lösung bieten: Es existieren zwei denkbare Lösungen, die mit dem Ziel vereinbar sind, die Ausfälle bei Staatsanleihen möglichst gering zu halten. Entweder bildet sich eine Stabilitätsunion heraus mit einem soliden Kern-Europa. Die Schuldenstaaten treten dabei aus der Währungsunion aus. Oder aber Deutschland tritt als dominanter Spieler aus der Währungsunion aus, die übrige Eurozone wertet stark ab. Beide Lösungen sind in der aktuellen politischen Gefechtslage kaum gangbare Optionen.


 
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