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EZB-Pläne: Amerikanische Ratingagenturen vor Entmachtung?

Freitag den 22.06.2012

Die Rolle der Ratingagenturen war im Rahmen der Finanzkrise ein wichtiges Thema. Dabei handelt es sich um private Institute, die ein Bonitätsrating für Wertpapiere wie etwa Aktien oder Staatsanleihen abgeben. Dieses Rating sollte für Investoren ein Indikator für den Risikogehalt eines Investments in das entsprechende Wertpapier darstellen. Demnach bestimmt das Rating auch die zu erwartende Rendite. In der Finanzkrise 2008 kam den Ratingagenturen eine entscheidende Funktion zu: Sie bewerteten die strukturierten Produkte (Asset Backed Secuirites und Mortgage Backed Securities), die auf den faulen Hypothekenkrediten basierten. Zumindest versuchten sie es: Denn viele Experten werfen den Ratingagenturen vor, selbst nicht einmal mehr in der Lage gewesen zu sein, den Risikogehalt dieser verbrieften Produkte richtig einschätzen zu können und daher erhebliche Fehlbewertungen vorgenommen zu haben.

Aus dieser Diskussion heraus sind verschiedene Ansätze entstanden, um die Macht, die die Ratingagenturen auch auf anderen Gebieten der Finanzmärkte entfalten können, zu beschneiden. Sie, die privaten Unternehmen mit Gewinnmaximierungsabsicht, sollten nicht die einzige Instanz sein, die über Bonitäten entscheiden, an denen sich Renditen und Finanzmarktentwicklungen orientieren. Die EZB hat kürzlich nun gefordert: Ratingagenturen sollen unabhängig werden, die meist amerikanischen Agenturen in ihrem Einfluss stark beschnitten werden. Nach aktuellen internen Planungen der EZB, soll die Einschätzung von Ratingagenturen in Zukunft keinerlei Auswirkungen mehr auf die Bewertung von Staatsanleihen haben. Sollte dies so umgesetzt werden, wird zum einen der Einfluss der Agenturen drastisch sinken und durch Regulierung möglicherweise ein Geschäftsmodell zerstört. Auf der anderen Seite ist die Absicht der EZB, damit die Finanzierung von Staaten zu erleichten, nicht übersehbar. Möglicherweise steckt auch die Intention dahinter, eine unabhängige europäische Ratingagentur zu kreieren, die sogar bei der EZB angesiedelt werden könnte.

Die Diskussion ist brisant: Zum einen ist es sicherlich fragwürdig, wenn privatwirtschaftliche Einrichtungen über das Rating von Staatsanleihen entscheiden und damit Einfluss auf die Refinanzierungskonditionen von Staaten nehmen können. Zum anderen sind Ratingagenturen allerdings auch eine Kontrollinstanz, die sich dem staatlichen Einfluss entzieht und damit eine disziplinierende Wirkung auf die Fiskalpolitik haben kann.


 
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