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Sicherer Hafen: Anleger investieren in Deutschland

Mittwoch den 6.06.2012

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die die europäische Staatsschuldenkrise hervorgebracht hat, ist die Tatsache, dass in der heutigen Zeit Staatsanleihen nicht mehr als sichere Anlagen gelten können. Die in vielen BWL- und VWL-Lehrbüchern verbreitete Annahme gehört auf den Prüfstand, denn immerhin hat zumindest der Schuldenschnitt in Griechenland gezeigt, dass auch hier erhebliche Ausfallrisiken bestehen. Diese treten im Besonderen dann auf, wenn es politische und wirtschaftliche Unsicherheiten in hohem Maße gibt. Insbesondere konnten historisch Ausfälle bei Staatsanleihen nach Kriegen und Währungsreformen beobachtet werden. Dies sollte dazu führen, dass Staatsanleihen unter diesen Voraussetzungen neu eingeordnet werden müssen.

Im Zuge der aktuellen Entwicklungen hat diese Erkenntnis letztlich dazu geführt, dass Investoren auf Staatsanleihen der Krisenstaaten immer höhere Risikoprämien fordern und die Zinsen in die Höhe schnellen. Dies konnte in der Vergangenheit nicht nur in Griechenland beobachtet werden. Aktuell zeigt sich eine derartige Entwicklung vor allem in Spanien. Viele Anleger haben demnach erkannt, dass diese Anleihen mit erheblichen Risiken behaftet sind, die mit höheren Zinsen kompensiert werden sollten. Dieser Denkprozess gilt allerdings tatsächlich augenscheinlich nur für die Staaten, die derzeit in einer erheblichen Schuldenproblematik stecken und die Aussichten auf eine Rückzahlung des eingesetzten Kapitals gesunken sind. Obwohl Deutschland vom absoluten öffentlichen Schuldenstand her Spanien sogar noch übertrifft, ist hier eine inverse Entwicklung zu identifizieren.

Die Risiken für deutsche Staatsanleihen scheinen gegen Null zu gehen. So könnte man zumindest die Tatsache interpretieren, dass vor kurzem sogar negative Renditen auf deutsche Staatsanleihen gezahlt wurden. Der Bundesfinanzminister konnte sich quasi zum Nulltarif verschulden. Es scheint allgemein derzeit so, dass Anleger auf alles setzen, was mit Deutschland zu tun hat. Auch Unternehmensanleihen und Pfandbriefe haben erheblich an Beliebtheit gewonnen und gelten bei vielen Anlegern nunmehr als absolut sichere Anlagen. Deutschland verkörpert nicht nur Stabilität sondern auch wirtschaftliche Dynamik und Wachstum in Europa. Vor allem Deutschlands Unternehmen profitieren derzeit von diesem Trend: Anleger setzen auf Sicherheit und kaufen Unternehmensanleihen – die hohe Nachfrage senkt die Kapitalkosten erheblich. Kürzlich begab der Industriegaskonzern Linde eine siebenjährige Anleihe zu einem Zinssatz von 1,75 Prozent – günstiger als jeder Bankkredit, den ein Unternehmen jemals bekommen würde.


 
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