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Vergleich der geldpolitischen Ziele und Strategien in EWU und USA

Dienstag den 5.06.2012

Das Federal Reserve System (Zentralbank der USA) und die Europäische Zentralbank verfolgen zwei verschiedene geldpolitische Strategien. Dies wird insbesondere anhand eines Vergleichs der jeweiligen geldpolitischen Endziele deutlich und den Strategien zur Erreichung ebendieser deutlich: Während die EZB einzig und allem dem Ziel der Sicherung der Preisstabilität verpflichtet ist und damit in der Tradition der stabilitätsorientierten Deutschen Bundesbank steht, verfolgt das Fed parallel zudem die Ziele der Sicherung von Wirtschaftswachstum und eines hohen Beschäftigungsstandes. Dementsprechend bedarf es auch einer unterschiedlichen Strategie beim Einsatz der geldpolitischen Instrumente. Auch diese sind unterschiedlich ausgestaltet: Während die EZB vorrangig Liquidität über die Kreditvergabe und Kreditgewährung an Geschäftsbanken zuführt, tut dies das Fed über den direkten Kauf und Verkauf von Wertpapieren, meist Anleihen.

Zur Beurteilung der Frage, welche Geldpolitik in welchem Umfeld eingesetzt werden soll, bedienen sich die Zentralbanken ebenfalls einem unterschiedlichen Instrumentenkasten. Die Strategie der Europäischen Zentralbank basiert auf zwei Säulen: Einer kurz- bis mittelfristigen Säule zur Beobachtung der realwirtschaftlichen Entwicklung (wirtschaftliche Analyse) sowie einer langfristigen Säule zur Identifikation von Grunddynamiken im Geldmengenwachstum (monetäre Analyse). Beides zielt vorrangig auf die Stabilisierung des Preisniveaus ab und bietet den Vorteil, Inflationsursachen in allen Fristen frühzeitig zu erkennen. Kritiker bescheinigen dieser Vorgehensweise jedoch ein hohes Maß an Intransparenz, da die Gewichtung der beiden Säulen zueinander in der Öffentlichkeit unbekannt ist. Zudem stellt sich die Frage, wie die EZB reagiert, wenn eine Säule eine expansive, und eine restriktive Geldpolitik empfiehlt.

Das Fed entscheidet anhand eines Multi-Indikatoren-Ansatzes über den Einsatz ihrer geldpolitischen Instrumente. Dabei handelt es sich um eine Strategie, die neben der Prognose zur Inflationsentwicklung auch die Konjunkturentwicklung mit berücksichtigt. Dieser Ansatz ist deswegen vorteilhaft, da er auf sehr viele Daten, die für die Inflations- und Konjunkturentwicklung relevant sind, bauen kann. Zudem räumt er der Geldpolitik weitestgehend Flexibilität in ihren Reaktionen ein. Kritisiert wird der Ansatz ebenfalls wegen seiner Intransparenz: In der Öffentlichkeit ist nicht bekannt, welche Gewichtungen die Endziele zueinander einnehmen. Dies kann zu falschen Inflationserwartungen führen, die destabilisierend auf die Finanzmärkte wirken kann.


 
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