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EZB: Banken sollen wieder Realwirtschaft finanzieren

Freitag den 20.01.2012

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Geschäftsbanken gestern die Leviten gelesen. Der Finanzsektor würde sich zu stark auf Geschäfte untereinander versteifen und ihren eigentlichen Aufgaben, der Finanzierung der Realwirtschaft, nicht mehr in ausreichendem Maße nachkommen. Damit hat die EZB viel Zustimmung bei Volkswirten und Geldpolitik-Experten erzeugt, die schon seit geraumer Zeit genau diesen Aspekt immer wieder thematisiert haben. „Es ist gut, dass die EZB jetzt Klartext spricht“, so wird etwa Richard Werner, Professor für Bankwesen an der Universität Southampton zitiert. Die Europäische Zentralbank hatte erst kürzlich mit unkonventionellen Methoden nahezu unbegrenzte Liquidität am Geldmarkt zur Verfügung gestellt um die Refinanzierungsbedingungen der Geschäftsbanken zu verbessern.

Insbesondere auch durch den Aufkauf von Staatspapieren von europäischen Staaten niedriger Bonität, wird aber ein zweigleisiges Ziel verfolgt. Zum einen sollen damit die Refinanzierungskosten der spezifischen Staaten gedrückt werden, zum anderen wird durch die Ausweitung der Zentralbankbilanz eine Fülle an Basisgeld am Geldmarkt zur Verfügung gestellt. Diese zusätzlichen Mittel sollen die Banken nun zur Kreditvergabe und Finanzierung der Realwirtschaft nutzen um einer möglichen Kreditklemme entgegenzuwirken. Investitionen sollen dadurch angeregt werden, das Wirtschaftswachstum könnte positive Effekte davon tragen.

Doch anstatt die Mittel zur Finanzierung der Realwirtschaft zu nutzen, handeln die Geschäftsbanken das Zentralbankgeld entweder am Interbankengeldmarkt untereinander um Liquiditätsmanagement zu betreiben und sich somit gegenseitig abzusichern. Oder aber sie parken das Geld gleich wieder bei der EZB, da ihnen der Interbankenhandel inzwischen mit einem zu großen Risiko verbunden scheint. Denn die Banken wissen teils nicht um den Anteil wertloser Wertpapiere in den Portfolios ihrer Handelspartner, die Bonität könnte daher gefährdet sein. Fakt ist, dass die Liquidität, die die EZB zur Verfügung steht, oft nicht bei der Realwirtschaft ankommt und damit auch ihre eigentlichen Intentionen verfehlt. Kritisch wird es erst recht, wenn die Banken das sehr günstige Zentralbankgeld dann nutzen um es in höher verzinsliche Staatspapiere oder Unternehmensanleihen zu investieren. Dadurch erwirtschaften sie für sich selbst dann noch eine Rendite.


 
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