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Staatsanleihen lohnen sich – für den Staat

Montag den 9.01.2012

In der aktuellen Staatsschuldenkrise in Europa beschäftigen sich viele mit dem Problem der Verschuldung. Dabei ist es so offensichtlich, wie Verschuldung entsteht und wie sie wieder gelöst werden kann. Wenn die Ausgaben die Einnahmen übersteigen entstehen Defizite. Eine Rückführung der Schulden ist hingegen nur möglich, wenn die Einnahmen die Ausgaben übersteigen und Überschüsse entstehen, die zur Schuldentilgung verwendet werden können. Einfacher gesagt als getan. In der Umsetzung und der Realisierung dieser sehr abstrakt dargestellten Vorgänge liegt das tiefere Problem.

Eine Art und Weise außerordentliche Einnahmen zu erzielen ist die Kreditaufnahme des Staates durch die Ausgabe von Staatsanleihen. Diese werden von Gläubigern freiwillig gezeichnet. Der Staat verspricht hingegen Zins- und Tilgungszahlung in der Zukunft. Dabei handelt es sich jedoch tatsächlich nur um ein Versprechen. Eine rechtliche Grundlage, die den Staat zur Einhaltung dieses Versprechen zwingt, gibt es nicht. Der Zins, den der Staat für die Anleihe bezahlen muss, richtet sich nach der jeweiligen Bonität. Ist die Haushaltslage solide und die Wirtschaft robust, kann sich der Staat zu niedrigen Zinsen günstig verschulden. Ist das Gegenteil der Fall, werden höhere Zinsen fällig. Risiko und Rendite sind positiv korreliert, was an diesem Zusammenhang besonders gut dargestellt werden kann.

Aktuell scheint Deutschland als Schuldner ganz besonders gut da zustehen. Die Zinsen auf deutsche Staatsanleihen könnten geringer kaum sein. Heute wurde bekannt, dass die Gläubiger den Staat sogar beschenken, da auf deutsche Staatsanleihen negative Zinsen fällig werden. Für ein Geldmarktpapier mit einer Laufzeit von sechs Monaten wurde ein Zins von -0,01% gezahlt – kein Vergleich mit aktuellen Tagesgeldkonten. Verbal ausgedrückt heißt dies, dass die Anleger dem Staat sogar eine Risikoprämie dafür zahlen, dass sie ihr Geld bei ihm anlegen können. Dies hat es bisher noch nie gegeben, ist im europäischen Umfeld unter soliden Staaten allerdings momentan wohl häufiger der Fall. Auch Dänemark und die Schweiz konnten in den vergangenen Tagen von Negativzinsen profitieren. So wird die Verschuldung der Staaten sogar noch belohnt. Sie müssen weniger zurückzahlen als sie sich geliehen haben.


 
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