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Finanzmarktliquidität: EZB greift zu ungewöhnlichen Mitteln

Freitag den 9.12.2011

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi ihren Kurs expansiver Geldpolitik fort und senkt den Zins für das Hauptrefinanzierungsgeschäft nur zwei Wochen nach der ersten Leitzinssenkung von 1,5 auf 1,25% nun wiederum um weitere 0,25 Prozentpunkte (tagesgeld.info berichtete bereits). Diese Leitzinssenkung passt in den Kontext, den verschiedene Zentralbanken, darunter die EZB und das Federal Reserve System offenbar nun global gemeinsam verfolgen: die Liquiditätsversorgung der Banken soll sichergestellt werden. Dies soll auch Rezessionsrisiken abschwächen und ihnen entgegenwirken.

Dabei greift die EZB nun aber auch zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Im Regelfall verfolgt sie eine Geldpolitik, die sich am operativen Ziel des Tagesgeldmarktzinssatzes ausrichtet. Durch den Einsatz ihrer geldpolitischen Instrumente wie etwa dem Hauptrefinanzierungsgeschäft bestimmt die EZB auf dem Regulierungsgeldmarkt, einem Teilmarkt des Geldmarktes an dem kurzfristige Forderungen gehandelt werden. Der Zins, der von der EZB von Geschäftsbanken für ihre Refinanzierung verlangt wird, dient als Leitzins. Dieser EZB-Leitzins ist der Referenzwert für den Tagesgeldzins, der sich auf dem Interbankengeldmarkt, ebenfalls ein Teilmarkt des Geldmarktes bildet. Beide Zinsen sind eng miteinander verknüpft. Denn schließlich würde eine Geschäftsbank sich nicht zu einem Zins von 5% auf dem Interbankengeldmarkt refinanzieren, wenn die EZB auf dem Regulierungsgeldmarkt dies auch für 4% möglich macht. Die Verbindung beider Märkte wird anhand dieser Verknüpfung deutlich.

Neben der Senkung des Leitzinses für den Tagesgelsatz forciert die EZB nun jedoch auch eine andere Maßnahme: die Senkung des Mindestreservesatzes von 2 auf 1 Prozent. Dies ist eine ungewöhnliche Maßnahme, da die EZB die Mindestreserve normalerweise nur als Instrument zur Schaffung von Zwangsnachfrage nach Zentralbankguthaben einsetzt. Diese Nachfrage muss vorhanden sein, damit der Einsatz der geldpolitischen Instrumente (etwa des Hauptrefinanzierungsinstrumentes) überhaupt möglich ist. Damit die Zentralbank dieses Instrument wirksam einsetzen kann, müssen Geschäftsbanken Zentralbankguthaben nachfragen. Eine direkte geldpolitische Rolle spielte die Mindestreservepflicht des Eurosystems bisher nicht, was man leicht erkennen kann, wenn man sich die Entwicklung des Mindestreservesatzes in der Vergangenheit anschaut. Seit 1999 ist der Mindestreservesatz bisher konstant geblieben, was die eher passive geldpolitische Rolle der Mindestreserve verdeutlicht.


 
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