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Inflation als Steuer auf Vermögen und Besitz?

Mittwoch den 16.11.2011

Die Inflationsrate im Euroraum liegt derzeit bei 2,6 Prozent. Damit hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Inflationsziel von "unter, aber nahe bei 2 Prozent" aktuell nicht erreicht. Wissen muss man dazu jedoch, dass es sich bei der 2-Prozent-Marke um ein mittel- bis langfristiges Ziel handelt und dieses seit Beginn der Europäischen Währungsunion (EWU) durchaus erreicht ist. Damit herrscht Preisstabilität in der Eurozone, von kurzfristigen Schwankungen mal abgesehen. Private Investoren und Geldanleger interessiert die Inflationsrate vor allem im Hinblick auf die Geldwertstabilität. Bei einer steigenden Inflationsrate steigt das Preisniveau, was zu einem realen Verlust an Kaufkraft führt. Diesem Kaufkraftverlust wollen viele Investoren entgehen, indem sie beispielsweise in "wertbeständige" Anlageklassen wie Immobilien investieren oder aber Aktien kaufen, die als Sachwerte ebenfalls relativ inflationsresistent sind.

Vergleicht man die aktuelle Inflationsrate mit den Sparzinsen, die es derzeit auf das Tagesgeld gibt, dann sind die besten Angebote aus dem Tagesgeldvergleich ungefähr auf gleicher Höhe mit der Inflationsrate. Im besten Fall liegen sie knapp darüber. Aber was heißt das genau? Wenn die Einlagen auf einem Tagesgeldkonto Sparzinsen in Höhe von 2,5 Prozent erwirtschaften und die Inflationsrate ebenfalls bei 2,5 Prozent liegt, werden die Einlagen vor dem Kaufkraftverlust geschützt. Die Einlagen bleiben in ihrem Wert genau stabil und werden nicht durch die Inflation immer mehr entwertet. Die Zinsen stellen allerdings keinen Ertrag dar, denn dies ist der Betrag der den Wertverlust durch die Inflation ausgleicht.

Kritische Begutachter vergleichen die Inflationsrate, die – wenn sie besonders stark ausgeprägt ist – das Vermögen entwertet sogar als eine Art Vermögenssteuer. Zwar widerspricht es der wissenschaftlichen Definition, aber als Vermögende werden oft diejenigen bezeichnet, die besonders viel auf der hohen Kante liegen haben. Sie haben mit der Inflation und der Entwertung ihres Vermögens zu kämpfen. Geringverdiener geben den Großteil ihres Einkommens direkt aus anstelle es zu sparen und entziehen es damit inflationären Tendenzen. Inflation wird damit von einigen Experten als Steuer auf den Besitz bezeichnet. Kompatibel zu einer Steuer ist die Inflationsrate dennoch nicht. Schließlich entstehen hier keine direkten Einnahmen für den Staat. Nur der Schuldenberg des Staates wird natürlich durch die Inflation real entwertet, was den einzigen Vorteil einer hohen Inflation aus staatlicher Sicht darstellt.


 
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