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Direkte Inflationssteuerung: Ansätze der geldpolitischen Strategie

Dienstag den 15.11.2011

Die direkte Inflationssteuerung kann Teil der geldpolitischen Strategie von Zentralbanken sein. Dabei handelt es sich um eine einstufige Strategie, die auf die Steuerung von Zwischenzielen verzichtet und sich direkt auf die Erreichung des Endziels, die Gewährleistung von Preisniveaustabilität fixiert. Das Preisniveau wird dabei gemessen anhand des Verbraucherpreisindexes, Prognosen über die vermutete Entwicklung der Inflation werden seitens der Zentralbank veröffentlicht (als mittel bis langfristiges Ziel). Letzteres schafft eine besondere Transparenz, da das Inflationsziel der Zentralbank für die Öffentlichkeit ersichtlich ist und dadurch im Vergleich zur Geldmengensteuerung ein erhöhter Rechenschaftsdruck besteht.

Neben der direkteren Fokussierung des Inflationsziels gibt es im Vergleich zur Geldmengensteuerung ansonsten keine wesentlichen Unterschiede. Das Endziel ist das Gleiche, ein Zwischenziel fehlt bei beiden Varianten. Demnach handelt es sich bei beiden Ansätzen um eine einstufige geldpolitische Strategie. Die Vorgehensweise bei der direkten Inflationssteuerung fokussiert sich sehr auf die von der Zentralbank selbst erstellte Inflationsprognose. Diese wird mit dem gewünschten Inflationsziel verglichen. Liegt die Inflationsprognose demnach etwa über dem gewünschten Ziel wird im Anschluss an diese Analyse eine restriktive Geldpolitik eingeleitet. Kernunterschied zu anderen geldpolitischen Strategien besteht darin, dass hier eine Prognose als Basis der Entscheidung dient und nicht etwa die tatsächliche Inflationsrate.

Die direkte Inflationssteuerung ist eine Variante für Handeln der Zentralbank, die bereits vielfach praktiziert worden ist – und das fast ausschließlich mit positiven Erfahrungen. Wohlmöglich liegt dies jedoch auch daran, dass die Durchführung dieser geldpolitischen Variante bisher auch nur in relativ harmlosen Zeiten umgesetzt wurde. Zumindest was die Anforderungen an die Geldpolitik anbelangt.

Die Kritik zielt vor allem sehr positiv auf die erhöhte Transparenz dieser Strategie ab. Zudem erfordert sie nicht die Stabilität und Kenntnis detaillierter Wirkungszusammenhänge in Bezug auf die Geldnachfrage und ermöglicht durch das Setzen einer Inflationsspanne als Ziel sogar einen gewissen Grad an Flexibilität. Negativ hingegen fallen die Verfehlungen des Inflationsziels durch Angebotsschocks oder Steueränderungen auf sowie durch einen möglichen Glaubwürdigkeitsverlust aufgrund der schwer nachvollziehbaren Inflationsprognosen. Weiterhin kann die Zentralbank die Inflation natürlich kurzfristig nicht steuern, wird aber wohlmöglich von der Öffentlichkeit für Verfehlungen des Ziels verantwortlich gemacht, da diese nicht erkennen kann ob die Zentralbank nun an der Verfehlung schuld ist oder ob sie etwa durch Lohnstückkostenänderungen oder Preisänderungen zustande gekommen sind.


 
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