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Griechen plündern ihre Sparkonten

Montag den 14.11.2011

Das, was Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in der Finanzkrise 2008 durch ihre Ankündigung "Die Spareinlagen der Deutschen sind sicher!" erfolgreich verhindert haben, ist in Griechenland aktuell in vollem Gange: der sogenannte Bank-Run. Die griechischen Bankkunden heben vor lauter Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung ihres Staates aber vor allem aus Sorge um die Sicherheit ihrer Vermögen ihre Sparguthaben bei den Banken ab. Dies wird für die griechischen Kreditinstitute zunehmend zum Problem. Erste Liquiditätsengpässe sind bereits existent.

Wie ernst die Lage für die griechischen Banken ist, kann man in den Bilanzen der griechischen Zentralbank nachlesen. Fast halbiert haben sich die Einlagen der Geschäftsbanken im Zeitverlauf zwischen 2009 und September 2011. Der letztgenannte Monat war sogar ein Rekordmonat tragischen Ausmaßes: Im September 2011 haben die griechischen Geschäftsbanken so viel auszahlen müssen wie in keinem anderen Monat je zuvor. Und auch im Oktober und November dauern die Auszahlungen an und führen zu ernsten Liquiditätsproblemen der Banken.

Die griechischen Banken kämpfen um jeden Euro: Wer als Grieche zur Bank geht und etwa ein Festgeldkonto (oder anderweitige Termineinlage) vorzeitig auflösen will, nimmt einiges in Kauf. Zum einen verfallen möglicherweise die versprochenen Zinsen, die erst am Ende der Laufzeit gezahlt werden, zum anderen können wegen der vorläufigen Kündigung sogar Strafzinsen fällig werden. Diese erheblichen Nachteile nehmen allerdings viele Sparer zugunsten der Sicherheit ihres Vermögens in Kauf. Die Bankberater versuchen zwar diese Abhebungen mit allen Mitteln zu verhindern, indem sie immer wieder die Nachteile betonen. Es gelingt ihnen jedoch immer seltener.

Das Bedürfnis vieler Griechen, ihre Spareinlagen abzuheben und in bar mitzunehmen hat natürlich auch den Grund einer Entwertung ihres Vermögens durch eine drohende Umrechnung und anschließende Abwertung in die alte griechische Währung, der Drachme, zu verhindern. Auch wenn der Austritt aus der Eurozone oder gar der Austritt aus der gesamten Europäischen Union aktuell nicht zur Debatte steht, fühlen sich viele Griechen davon wohlmöglich nicht überzeugt. Eins ist jedoch sicher: Die Banken stehen schon jetzt vor einem Liquiditätsproblem. Kunden müssen mehrere Tage darauf warten, bis sie ihre Einlagen mitnehmen können.


 
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