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Geldpolitik und EZB: Große Wissensdefizite bei Bürgerinnen und Bürgern

Freitag den 11.11.2011

Finanzexperten haben derzeit Konjunktur: kaum andere Fachleute sind derzeit auch beim allgemeinen Bürger gefragter. Denn viele Bürgerinnen und Bürger stehen in Sachen Geldanlage vor dem Hintergrund der großen Unsicherheit vor großen Rätseln und holen sich gerne Rat bei Experten. Finanzexperten wie Dirk Müller alias Mr. Dax sind Stammgäste in den deutschen Talkshows, da sie es verstehen auf verständliche Art und Weise Zusammenhänge zu erläutern. Zwar müssen sie sich häufig den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die Welt zu stark vereinfachen – dennoch finden ihre Empfehlungen und Ratschläge großen Anklang.

Die Tatsache, dass die Nachfrage nach Zusatzinformationen und Fachwissen groß ist, deutet auf eine große Wissenslücke hin, die nun auch offiziell durch einige Studien bestätigt worden ist. Gerade in Sachen Geldpolitik und der Rolle der Europäischen Zentralbank bestehen erhebliche Wissensdefizite bei den Bürgerinnen und Bürgern. Zwar sehen die Zentralbanker es mit als ihre wichtigste Aufgabe an über geldpolitische Zusammenhänge und mögliche Auswirkungen auf die persönliche Geldanlage zu informieren und Verständnis zu schaffen – offensichtlich scheitern sie mit diesem Bestreben jedoch kläglich.

Wichtig wäre dies jedoch, da dies auch Auswirkungen auf die Höhe der Zinsen für Tagesgeld– oder Festgeldkonten haben kann. Vor allem ein Verständnis über die Wirkung des Hauptrefinanzierungssatzes der EZB ist vielen unverständlich. Dabei handelt es sich um den sogenannten "Leitzins", der durch das Exekutivorgan der EZB in der Höhe bestimmt wird. Anhand des folgenden Absatzes wird der einfache Wirkungsmechanismus, der durch eine Leitzinserhöhung in Gang gesetzt wird, einfach skizziert:

Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB refinanzieren können. Abstrakt gesprochen drückt er den Preis aus, zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB Geld leihen können, das diese wiederum etwa für die Kreditvergabe verwenden. Wenn die EZB den Leitzins erhöht, verteuert sie damit die Geldbeschaffung der Geschäftsbanken. Diese können sich jetzt nur zu höheren Preisen Geld leihen. Daher werden sie diese höheren Refinanzierungskosten auch an ihre Kunden weitergeben, mit der Konsequenz dass auch die Kreditzinsen aufgrund der für die Bank gestiegenen Refinanzierungskosten ansteigen werden. Geschieht dies, wird es für viele Kunden in Anbetracht der hohen Zinsen zum Beispiel unattraktiv zu investieren. Konsum und Investitionen gehen zurück, die Wirtschaftsentwicklung wird gedämpft, was einen senkenden Effekt auf die Inflationsrate hat.


 
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