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Finanzbetrüger und ihre Beute

Dienstag den 20.09.2011

Die Finanzaufsicht überwacht die Beratungsleistung im Bereich der Finanzdienstleistungen. Primär werden dabei die Bankberater im Hinblick auf die erforderliche Aufklärung geprüft. Da jeder Bankberater bei der BaFin registriert wird, droht bei einem Verstoß der Entzug der Beratungslizenz. Für den einzelnen Mitarbeiter bedeutet dies, dass er seiner Arbeit am Markt nicht mehr nachgehen kann. Er kann nur hoffen, dass die entsprechende Bank oder Versicherung eine Stelle im Back-Office frei hat.

Diese Überwachung ist grundsätzlich positiv. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen will hierfür verdeckte Ermittler einsetzen. Doch der größte Schaden kommt gar nicht von den Banken, sondern von den freien Finanzberatern, die keinerlei Aufsicht unterstehen und deren Praktiken oft undurchsichtig und in den meisten Fällen betrügerisch sind.

Schneeballsysteme: Wenn Anleger um ihr Geld gebracht werden

Es gibt hier viele Namen zu nennen, die die Geldbörse der privaten Gläubiger um mehrere Millionen Euro erleichtert haben. Meistens handelt es sich um so genannte Schneeballsysteme, bei denen das Geld der Anleger mit unhaltbaren Versprechungen eingesammelt wird.

Die Aussicht auf zweistellige Renditen macht viele Anleger blind. Tatsächlich erhalten die ersten Mitglieder der Kette die anfängliche Rendite. Dies führt dazu, dass Kapital nachgeschossen wird – und genau das wird zum Verhängnis. Auch die anfänglich erhaltene Rendite geht verloren. Das System lebt von Neukunden, die mit ihren Einlagen die erste Dividendenzahlung ermöglichen und gleichzeitig den großzügigen Lebensstil des Betriebes finanzieren. Sobald der Neukundenzulauf nachlässt, setzt sich der Betrüger mit der Beute ab. Das System funktioniert meistens unter dem Deckmantel eines Finanzfonds mit Sitz im Ausland.

Die Betrüger spielen mit der Gier der Menschen und haben damit gute Chancen auf Erfolg. Die Bereitschaft zu risikoreichen Geschäften ist offensichtlich in den breiten Bevölkerungsschichten vorhanden. Auch viele Prominente werden zum Opfer solcher Machenschaften. Der Grund für den Erfolg der Finanzbetrüger ist oft das mangelnde Finanzwissen der Anleger und der glaubwürdige Auftritt der Finanzjongleure warnt rp-online.de.

Juristische Verfolgung

Der Arm der Justiz ist leider nicht allzu lang. Deutsche Gerichte sind mit zahlreichen Finanzbetrugsdelikten überhäuft. Zeit für eine gründliche Untersuchung und die dafür erforderlichen Personalkapazitäten sind nicht vorhanden. Die Identität der Drahtzieher kann oft nicht festgestellt werden, da sie über Vermittler arbeiten, die nur weisungsbezogen handeln und hierfür Provisionen erhalten. Der persönliche Kontakt zwischen den Vermittlern und dem Kopf des Fonds ist äußerst selten.

Doch es gibt auch Erfolge. So wurde vor kurzem Helmut Kiener gefasst. Der gelernte Psychologe konnte fast 350 Millionen Euro erbeuten. Der kleine deutsche Madoff wird zwar nicht 150 Jahre hinter schwedischen Gardinen verbringen – trotzdem haben die geprellten Anleger ihre Genugtuung, wenn sie Kiener auf der Anklagebank sehen. Das Geld konnte allerdings nur teilweise sichergestellt werden. Viele Anleger haben trotz des Urteils ihre Gelder endgültig verloren und werden wohl so schnell nicht wieder in Aktien oder ähnliches investieren, sondern ihr Geld lieber in Tagesgeld oder Festgeld anlegen.


 
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