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Die Wiederentdeckung des Retailgeschäfts bei Banken

Mittwoch den 17.08.2011

Die Finanzkrise hat deutliche Spuren in der Bankenlandschaft hinterlassen. Viele Geldhäuser überprüfen nun ihre Geschäftsmodelle und passen die Risikosituation den neuen Gegebenheiten an. Die starke Abhängigkeit vom Geld-und Kapitalmarkt hat beispielsweise manchen Häusern aufgezeigt, dass zum Beispiel das Liquiditätsrisiko eine reale Gefahr ist – und nicht nur ein theoretisches Gebilde.

Warum das Retailgeschäft so lukrativ ist

Die stärkeren Eigenkapitalvorschriften und die Verschärfung der Kontrollen durch die Bundesaufsicht zwingen die Banken zum Umdenken. Sie entdecken nun das Geschäft mit Privatkunden für sich neu.
Die Vorteile dieses Geschäftsfeldes sind nicht von der Hand zu weisen: Das Retailgeschäft ist deutlich risikoärmer als andere Bereiche, da das Volumen der einzelnen Geschäfte sehr überschaubar ist. Die so genannte Granularität des Portfolios ist sehr hoch, was sich positiv auf die Risikomessung bei den aktuellen Risikomessverfahren auswirkt. Außerdem bedeuten private Einlagen einen stetigen Bodensatz an Liquidität, und entschärfen auch in diesem Bereich die Risikosituation einer Bank.

Da sich aber viele Banken in den vergangenen Jahren fast vollständig aus dem Privatkundengeschäft zurückgezogen haben, müssen sie ihre Marktanteile mit Kampfkonditionen zurückerobern. Gerade im Bereich der Tagesgeld-Konditionen tobt ein Kampf, der allein auf die Gewinnung der Marktanteile ausgerichtet ist. Dabei wird die betriebswirtschaftliche Seite oft vernachlässigt. Manche Banken nehmen deutliche Ertragseinbußen in Kauf – nur, um mehr Marktanteile sichern zu können. Z. B. übernimmt die Santander Consumer Bank das Retailgeschäft der SEB, wie bei pressemitteilungen-online nachzulesen ist.

Verbrauchersicht

Von dieser Situation profitiert natürlich der Verbraucher – allerdings nur auf den ersten Blick. Zwar bekommt ein Bankkunde nun bessere Konditionen, doch die Banken versuchen mit effizienteren Prozessen die internen Kosten zu senken. Das wirkt sich oft negativ auf die Beratungsqualität aus. So werden fast nur noch standardisierte Finanzprodukte angeboten; und dies unabhängig von der individuellen Situation des Kunden. Eine bedarfsgerechte Bankberatung sieht anders aus. "Bei Geld hört die Beratung auf". Ein knallhartes Fazit von banktip.de.

Außerdem gelten bei den Banken sehr hohe Vertriebsziele für eigene Berater, die eine unvoreingenommene Beratung deutlich erschweren. Die Vertriebsziele haben zwischenzeitlich das Vorkrisenniveau erreicht und zeigen, dass die Banken nur unzureichend an der Verbesserung der Beratungsqualität arbeiten. Finanztest hat Bankberater getestet. Das Ergebnis ist "katastrophal", schreibt geldanlage-finanz-blog. Diese Situation gilt insbesondere im Privatbankenbereich. Die Genossenschaftsbanken  waren dagegen schon vor der Krise sehr nahe am Kunden und haben bedarfsgerecht beraten.

Nichtsdestotrotz überrascht es nicht, warum es zwischenzeitlich Beratungsbanken gibt, die nur von der Beratungsprovision leben und keine Vermittlungsprovision beim Verkauf von Finanzprodukten von ihren Kunden verlangen.

Die Bankenlandschaft befindet sich im Umbruch. Es bleibt abzuwarten, ob die eingeleiteten Maßnahmen seitens der Politik ihre Wirkung entfalten können und wie wirksam diese sind.


 
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