1,00% p.a.



Negativer Leitzins schadet Banken nicht

Donnerstag den 30.11.2017

Eine aktuelle Studie der Ökonomen Jens Eisenschmidt und Frank Smets kommt zu dem Ergebnis, dass der negative Einlagenzins von derzeit minus 0,40 Prozent den Banken nicht schadet. Ein größeres Kreditvolumen und positive Zahlen in anderen Geschäftsbereichen gleichen die niedrigere Zinsmarge aus. In Nordeuropa sind die Banken in den letzten Jahren sogar rentabler geworden. Bei der Studie gilt es jedoch zu beachten: Beide Ökonomen arbeiten für die Europäische Zentralbank (EZB), welche den negativen Einlagenzins verantwortet.

Quantitative Easing der EZB läuft seit 2014

Die EZB hat 2014 mit ihrem Quantitative Easing-Programm begonnen. Es umfasst unter anderem monatliche Anleihenkäufe in Milliardenhöhe. Außerdem wurde der Europäische Leitzins auf 0,00 Prozent gesenkt. Auch der Einlagenzins wurde gesenkt – zunächst auf minus 0,10, dann auf minus 0,40 Prozent.

Quellen:

  • Europäische Zentralbank

Der negative Einlagenzins hat für Banken zur Folge, dass sie an die EZB Geld zahlen müssen, wenn sie Guthaben über Nacht dort parken. Er soll die Banken dazu anregen, mehr Kredite zu vergeben. Ob diese Maßnahme wirkt, ist umstritten. In vielen der bisher veröffentlichten Studien heißt es, dass kurzfristig kaum mit negativen Folgen für das Geschäft der Banken zu rechnen ist, langfristig steigen die Risiken hingegen.

Negative Zinsen werden kaum an Privatkunden weitergegeben

Die Studie von Jens Eisenschmidt und Frank Smets versucht nun zu zeigen, dass die Banken bisher nicht unter dem negativen Einlagenzins leiden und sie zum Teil sogar rentabler geworden sind. Dabei verweisen die Autoren zunächst darauf, dass der negative Einlagenzins bisher kaum an Privatkunden weitergegeben wurde. Die Autoren sehen den Grund darin, dass Privatkunden ihr Guthaben leichter von der Bank abziehen können als Geschäftskunden. Oft treffen die negativen Zinsen auch nur Kunden mit sehr viel Vermögen.[1]

Als Grund für die weiterhin hohe Rentabilität vieler Institute sehen die Autoren der Studie das größere Kreditvolumen sowie die positiven Zahlen aus anderen Geschäftsbereichen. Vor allem die steigenden Wertpapierkurse sind gut für das Kapitalmarktgeschäft.[2]

Als Beispiel für die gestiegene Rentabilität werden Zahlen aus in Schweden und Dänemark genannt. Bei schwedischen Banken stieg die Bilanzsummen von 2008 bis 2016 von 0,6 auf 0,9 Prozent, in Dänemark von minus 0,2 Prozent auf 0,7 Prozent.

Studie mit Vorsicht zu genießen

Die Autoren der Studie räumen jedoch selbst ein, dass es schwierig sei, die Auswirkungen des negativen Einlagenzinses zu erkennen. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass beide Autoren für die EZB arbeiten. Interessenskonflikte sind also nicht auszuschließen. Auch andere Zahlen weisen jedoch darauf hin, dass Banken nicht so sehr unter der derzeitigen Zinssituation leiden, wie oft angenommen.

Sparer sollten in jedem Fall zweimal überlegen, ob sie bei einer Bank bleiben, welche einen Negativzins verlangt. Für sie ist die aktuelle Zinssituation schwierig, da die Inflation die Rendite von Tages- oder Festgeldern oft auffrisst. Angebote mit ordentlichen Zinsen sind derzeit das Tagesgeld der Consorsbank mit 1,00 Prozent Zinsen p.a. für sechs Monate garantiert sowie das Festgeld der BACB mit 1,00 Prozent Zinsen p.a. für eine Laufzeit von zwölf Monaten (Stand jeweils 30.11.2017).


Weiterführende Links

[1] Tagesgeldvergleich.net – Negativzinsen und Strafzinsen

[2] FAZ – Negativer Leitzins fördert die Kreditvergabe


 
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