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Notenbank-Tagung: Ratlosigkeit bei Draghi und co.

Mittwoch den 30.08.2017

Im August lud die Federal Reserve Bank von Kansas City zum jährlichen Treffen der Notenbanker nach Jackson Hole ein. Anwesend waren Notenbanker aus der ganzen Welt, darunter die Vorsitzende der US-Notenbank, Janet Yellen, und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Wer sich jedoch Aufschluss über die nächsten Schritte der Notenbanker erhoffte, wurde enttäuscht. Stattdessen herrscht zunehmend Ratlosigkeit.

Draghi spart das Thema Geldpolitik in Rede aus

Draghi widmete sich in seiner Rede in Jackson Hole den Gefahren des Protektionismus. Außerdem sprach er sich gegen einen Abbau von Regulierung aus. Damit reagierte er auf die Politik des US-Präsidenten Donald Trump. Dieser will viele der Regeln, die nach der Finanzkrise eingeführt wurden, lockern. Draghi verwies auf die erheblichen Folgekosten für die Gesellschaft, die durch weniger Regulierung entstehen könnten. „Insbesondere, wenn die Geldpolitik locker ist, birgt eine lasche Regulierung die Gefahr finanzielle Schieflagen zu befördern“, zitiert n-tv den Präsidenten der EZB.[1]

Über die nächsten Schritte der EZB schwieg Draghi sich hingegen ebenso aus wie Yellen. Von einer Straffung der Geldpolitik war in seiner Rede nichts zu hören. In der anschließenden Diskussionsrunde äußerte Draghi lediglich: „Wir haben bislang noch keine selbsttragende Annäherung der Inflation an das mittelfristige Ziel gesehen.“[2]

Kein Ansteigen der Inflation trotz Absinken der Erwerbslosenquote

Das Schweigen von Yellen und Draghi könnte auch damit zusammenhängen, dass sich die Notenbanker nicht mehr sicher sind, ob die alten Regeln noch gelten. So setzte die US-Notenbank bisher auf folgenden Zusammenhang: Je weniger Erwerbslose es gibt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation anzieht.

In den USA ging die Zahl der Erwerbslosen zuletzt jedoch auf 4,3 Prozent. Zugleich sank die Inflation. Das sorgte offenbar für Verwirrung. Womöglich wird es zu der Zinserhöhung, die für den Herbst geplant ist, nicht kommen. Auch in Europa erreicht die Inflation bisher nicht dauerhaft den von der EZB ausgegebenen Zielwert von knapp 2,0 Prozent. Das Ende der ultralockeren Geldpolitik könnte sich also hinziehen.

Wirkung der Anleihenkäufe zweifelhaft

Im Zuge der ultralockeren Geldpolitik der EZB wurde unter anderem der Europäische Leitzins auf 0,0 Prozent gesenkt. Außerdem kauft die EZB jeden Monat Staat- und Unternehmensanleihen in Milliardenhöhe.

Eine Studie von Bundesbank-Experten bezweifelt nun jedoch die Wirksamkeit der Anleihenkäufe. Zwar würde die Wirtschaftsleistung gesteigert, die Verbraucherpreise zögen jedoch nicht an. Die Anleihenkäufe könnten sogar die Finanzstabilität gefährden. [3]

Unlängst hatte zudem eine Klage dazu geführt, dass das Bundesverfassungsgericht die Anleihenkäufe durch den Europäischen Gerichtshof prüfen lässt. Der Verdacht der unzulässigen Staatsfinanzierung steht im Raum

Sparer bleiben also weiter im Ungewissen, wie es mit Zinsen für klassische Anlagenprodukte wie Tages- und Festgelder weitergeht. Attraktive Anlageangebot sind derzeit noch das Tagesgeld der Alpha Bank Romania mit 0,77 % Zinsen p.a. und das Wyelands Bank Festgeld mit 1,15 % Zinsen p.a. für eine Laufzeit von 12 Monaten.


Weiterführende Links

[1] N-tv – Draghi sieht EZB noch nicht am Ziel

[2] Süddeutsche Zeitung – Die Notenbanker sind verstört

[3] Handelsblatt – Anleihenkäufe haben kaum Effekte


 
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