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Strafzinsen auf Tagesgeld & Co.: Müssen Sparer bald draufzahlen?

Donnerstag den 28.04.2016

Angesichts der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geraten immer mehr Banken unter Druck. Bald könnten auch Sparer zur Kasse gebeten werden. Denn die Sparkassen schließen Negativzinsen auf private Einlagen auf lange Sicht nicht mehr aus.

Die Sparkassen wollen alles daran setzen, um die Sparkultur zu erhalten. Die Institute werden alles dafür tun „um die privaten Sparer vor Negativzinsen zu schützen – auch zu Lasten der eigenen Ertragslage. Wenn dieser Zustand aber lange anhält, werden auch die Sparkassen die Kunden nicht ewig davor bewahren können“ sagte Georg, Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, in seiner Grundsatzrede anlässlich des 25. Deutschen Sparkassentages.

Kreditinstitute zahlen bereits Minuszinsen

Das für Sparer prognostizierte Zukunftsszenario ist für Banken bereits seit Mitte 2014 bittere Realität. Denn die Kreditinstitute, die ihr Geld bei der EZB parken, müssen Strafzinsen zahlen, aktuell sind das – 0,40%. Die Strafzinsen schmälern die Erträge der Geldinstitute deutlich, die Sparer zahlen bereits die Zeche in Form von mageren Zinsen, die kaum die Inflationsrate schlagen. Nach Aussage der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) sehen die meisten Banken noch keinen Handlungsbedarf. Somit bleibt abzuwarten, welches Institut der Deutschen Skatbank folgen und Negativzinsen einführen wird.

Vor anderthalb Jahren verblüffte die Deutsche Skatbank die Bundesrepublik als erste mit der Einführung von Strafzinsen für Privatkunden. Bisher gelten diese allerdings nur für Kunden mit einer Gesamteinlage von 3 Millionen Euro. Mit der Einführung der Minuszinsen soll eine Flut von kurzfristigen Einlagen vermieden werden, die die Bank selbst zu negativen Zinsen bei der EZB anlegen müsste.

Direktbanken bei Geldanlage bevorzugt

Noch haben Anleger die Wahl. Relativ sicher dürften Sparer auch weiterhin bei den Direktbanken aufgehoben sein. Dies beweist ein Blick auf die aktuellen Tagesgeldangebote. Aufgrund der schmalen Kostenstruktur können diese im Vergleich zu Sparkassen oder anderen Banken mit großem Filialnetz gute Zinsen an ihre Kunden weiterreichen. Angesichts der steigenden Inflationsrate und der damit sinkenden Realverzinsung müssen sich Sparer zukünftig allerdings noch mehr anstrengen, um den Vermögenserhalt zu sichern. Ganz zu schweigen vom Vermögensaufbau: Dieser ist nur noch mit einem gewissen Maß an Risiko zu erreichen. Um dieses zu relativieren, raten Experten zur Streuung des Kapitals. Dies ist vor allem bei der langfristigen Vermögensanlage sinnvoll, unter anderem zur Sicherung der Altersvorsorge. Doch in diesem Zusammenhang warnt der DSGV-Präsident Fahrenschon: „Über 60 Prozent unserer Privatkunden haben monatlich eigentlich nichts mehr übrig, um Rücklagen zu bilden“. Er appelliert an die Politik, das vorhandene Vermögensbildungsgesetz zu modernisieren, indem Einkommensgrenzen und Förderbeträge erhöht werden. Er fordert „Der Staat sollte so eigene Zinsersparnisse zielgerichtet an die Schwächeren in unserer Gesellschaft zurückgeben“. (Presse DSGV 27.04.2016)


 
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