1,22% p.a.



Die wirklich wahre Geschichte von Zinsen und Rendite – Teaser versus Witzzins

Freitag den 8.04.2016

Das Ziel einer jeden Unternehmung ist … mit minimalem Aufwand maximalen Ertrag zu erzielen. Zugegeben, die Europäische Zentralbank macht es den Geschäftsbanken nicht gerade leicht. In der fortwährenden Niedrigzinsphase versiegen die Einnahmequellen der Kreditinstitute gefühlt im Minutentakt. Auf den Aktionismus der EZB folgt naturgemäß die Reaktion der Geschäftsbanken: Mit Sicht- und Termineinlagen ist mittlerweile kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Umso absurder wirken die Frohlockungen einzelner Banken im Kampf um den anlagewilligen Durchschnittssparer.

Gute Presse ist die bessere Werbung. Das ist bekannt. Scheint aber bei einigen Banken noch nicht angekommen zu sein. »Sichern Sie sich langfristig gute Konditionen«, »starke Verzinsung ohne Kursrisiko«, »Auf lange Sicht eine gute Wahl« machen erst mal Lust auf mehr. Die Berliner Bank setzt sogar ein »attraktiv und renditestark« obendrauf und schiebt gleich noch ein »Sind Sie auf der Suche nach einem wirklich attraktiven Zinsangebot …« hinterher. Also wer jetzt nicht an ein WIRKLICH attraktives Anlagepaket glaubt, dem ist WIRKLICH nicht mehr zu helfen. Sollte man meinen. Die Realität schaut dann doch … na ja, anders aus. Irgendwie realer eben. Für Einlagen auf dem Festgeldkonto gibt’s bei der Berliner Bank, verteilt auf vier Jahre, sensationelle 0,05 % per annum – nullkommanullfünf Prozent.

Witzzinsen oder faire Rendite?

Die norisbank* hat ein ebenso kurioses wie vielversprechendes Paket geschnürt – Fabelzins inklusive. Das Festgeldkonto – die norisbank verspricht »attraktive Zinsen« – wird mit fantastischen 0,1 % p. a. verzinst. Und nicht nur das. Die norisbank schlägt einen ganz eigenen, innovativen Weg ein. Einlagen über maximal 12 Monate werden sogar mit 0,2 % verzinst. Wer sein Geld länger parken möchte, kassiert im Anschluss die bereits erwähnten 0,1 % pro Laufzeitjahr. Kann man so machen.

Die Degussa Bank hat ihrem Tagesgeldkonto gleich mal einen angemessenen Namen verpasst, damit auch ja keine Missverständnisse aufkommen. Das TopZins-Tagesgeldkonto generiert einen TopZins von 0,05 % per annum. Alles klar? Das treibt einem die Tränen in die Augen. Die Degussa Bank ist der Meinung, dass sich so »ein attraktives Sparguthaben« ansammeln lässt. Alles klar!

Schotten sind bekanntlich passionierte Sparer und stolz auf ihre Historie. Die Bank of Scotland präsentiert sich als besonders traditionsbewusst und spart am Guthabenzins ihrer Anleger. »Das Tagesgeld der Bank of Scotland dient der Anlage kleinerer und mittlerer Geldbeträge zu attraktiven Konditionen bei täglicher Verfügbarkeit. Der Zinssatz beträgt aktuell 0,1 % pro Jahr.« Genial! So clever muss man erst mal sein. Slàinte mhath!

Die Liste lässt sich prominent fortführen. Grundsätzlich ist das Feilschen am Markt auch nicht sonderlich spektakulär, aber wer Kunden mit einem »Profitieren Sie von einer sicheren Geldanlage mit starker Rendite bei kurzen Laufzeiten.« lockt und in der Spitze 0,05 % locker macht, sorgt schon für einige Kopfschüttler. Grüße gehen nach Hamburg an die netbank AG.

Die Mär der schwindenden Zinsmarge

Renditen und Zinsgewinne wie vor einigen Jahren sind aktuell nicht drin. Und das, obwohl es den Bankinstituten gelungen ist, die Zinsmargen seit 2009 in beide Richtungen, sowohl im Bereich der Kredit- als auch im Bereich der Einlagenzinsen, zu ihren Gunsten zu nutzen. Erklärungsversuche, die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank sei für den Rückgang der Zinsmargen verantwortlich, können, betrachtet man anhand von Daten und Statistiken der Deutschen Bundesbank die Branchenentwicklung, nicht so recht nachvollzogen werden.

»Es ist bemerkenswert, dass Banken und Sparkassen trotz Niedrigzinsphase die Kreditkonditionen nicht im selben Maße nach unten korrigieren, wie sie es im Einlagenbereich tun. Das Resultat sind größere Zinsmargen und steigende Zinsüberschüsse«, erklärt Marc Opitz, Finanzexperte des Fachportals Kreditvergleich.net.

Der Spatz, die Taube und & das Dach

Und trotzdem lässt sich mit Festgeld- und Tagesgeldkonten weiterhin rentabel Kapital anlegen. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Die besten Angebote mit bis zu 2,5 % p. a. gibt’s gegenwertig ausschließlich bei ausländischen Banken. In diese Phalanx vermag derzeit keine heimische Bank einzudringen. Macht allerdings nichts. Verschiedene Online-Markplätze und Zinsbroker für europäische Festgelder bedienen auch den deutschen Sparer. Das Festgeldkonto der bulgarischen Fibank ist aktuell mit 2,5 % pro Laufzeitjahr das attraktivste Angebot unter den Festgeld-Anbietern.

Im Tagesgeldvergleich gibt’s etwas überraschend die meisten Zinsen für echtes Tagesgeld bei den Autobanken von Audi und Volkswagen. Echtes Tagesgeld deshalb, weil die Einlagen jederzeit verfügbar sind.

Mit dem Flexgeld24 der FIMBank lässt sich zwar eine bessere Rendite erwirtschaften, eine Voll- oder Teilauszahlung des Anlagebetrags kann aber nur zu den Zinszahlungsterminen an jedem 1. und 15. des Monats ausgeführt werden.

*Update der Redaktion (18. April 2016): Die norisbank hat mittlerweile reagiert und ihr Angebot korrigiert bzw. die Wortwahl angepasst. Liest sich jetzt alles deutlich realistischer. Gut so.


 
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