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EZB-Ratssitzung: Der Leitzins sinkt

Donnerstag den 4.09.2014

Wieder ist ein Monat vergangen, und die nächste Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank stand an. Eine der Hauptfragen vor der heutigen Sitzung war: wie wird die EZB damit umgehen, dass die Inflationsrate in der Euro-Zone weiter gesunken ist und sich damit noch weiter wie bisher von der gewünschten Preisstabilität von 2,0 Prozent entfernt hat. Jetzt ist es klar: Die EZB veröffentlicht mit ihrer Pressemitteilung, dass sie den Leitzinssatz auf 0,05% senkt. Gleichzeitig erhöht die EZB den Druck auf die Banken, indem sie den Strafzins auf -0,20% setzt. Diese Konditionen greifen ab dem 10. September 2014.

Gesunkene Jahresteuerungsrate fordert zum Handeln auf

Die Inflationsrate für den Euroraum wurde in der Schnellschätzung von Eurostat, der Europäischen Statistikbehörde, für August 2014 mit nur noch 0,3 Prozent angegeben. Damit ist die Jahresteuerungsrate weiter gesunken, im Juli hatte die Teuerungsrate noch bei 0,4 Prozent gelegen.

Anleihekaufprogramm gefordert

Im Vorfeld der heutigen EZB-Ratssitzung hat der Internationale Währungsfonds unter der Leitung von Christine Lagarde gefordert, dass die Europäische Zentralbank damit beginnt, ein Anleihekaufprogramm aufzulegen. Ein solches Programm zum Ankauf von Staatsanleihen der Mitglieder der Währungsunion ist jedoch nach wie vor ein zweischneidiges Schwert, und ein sehr scharfes dazu.

Die Forderungen des IWF sind das eine, die Frage, was solch ein Anleihekaufprogramm bedeutet, das andere. Kritiker sehen den Ankauf von Staatsanleihen als eine verdeckte Staatsfinanzierung an. Diese würde den verschuldeten Ländern der Euro-Zone helfen, aber möglicherweise den noch gut situierten Staaten des Euroraums, wie beispielsweise Deutschland, wenig helfen. Zudem ist nicht jeder der Finanzminister der Länder der Euro-Zone für ein solches Programm. Der deutsche Bundesfinanzminister hatte längst eine ablehnende Haltung dazu eingenommen. Das bedeutet aus Sicht der Bundesregierung: Sanierung der Schuldenstaaten ja, über eine versteckte Staatsfinanzierung durch den Kauf von Anleihen nein.

Die heutige Leitzinssenkung

Die nächste große Frage vor der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank war: wird der Leitzins nochmals gesenkt und damit auf ein neues historisches Tief gebracht? Mit der Leitzinssenkung auf nur noch 0,15 Prozent, die im Juni dieses Jahres durchgeführt wurde, wurde ein Allzeit-Tief des Hauptrefinanzierungssatzes für die Banken erreicht. Der zeitgleich eingeführte Strafzins für Bankeinlagen bei der EZB sollte ein Übriges dazu tun, dass die Banken in der Euro-Zone mehr Kredite an Unternehmen und Verbraucher vergeben, um der Wirtschaft der Schuldenstaaten endlich wieder Aufwind zu geben.

Der Führung des EZB Rates scheinen diese Maßnahmen noch nicht weitreichend genug zu sein. Sie setzte heute Ihren Kurs fort und senkte den Leitzins weiter auf nur noch 0,05%. Der Strafzins beträgt dann -0,20%.

Schlechte Karten für die Altersvorsorge in Deutschland

Doch Kritiker hatten bereits im Vorfeld vor einer weiteren Leitzinssenkung gewarnt. Beispiel Altersvorsorge: Schon seit längerem macht sich der stetig sinkende Leitzins in diesem Bereich sehr negativ bemerkbar. Immer weniger Bundesbürger schließen eine private Altersvorsorge ab, und die Sparneigung überhaupt ist in Deutschland auf einem sehr niedrigen Niveau. Diese Folgen des niedrigen Leitzinssatzes für die Bundesbürger werden sich damit erst zeitversetzt zeigen, in ein paar Jahren und Jahrzehnten.

Lieber mehr konsumieren als bei niedrigen Zinsen sparen

Die Banken wird die Leitzinssenkung ebenfalls treffen, weil viele Kunden ihre dann noch schlechter verzinsten Spareinlagen abziehen und lieber für Konsum verwenden. Im Bereich der Kredite hingegen könnte jetzt noch ein wenig mehr Luft nach unten sein. Ob sich hier aber tatsächlich noch etwas tun wird, egal ob bei Konsumentenkrediten oder bei Unternehmenskrediten, sei vorerst dahingestellt.

EZB hat den Leitzins erneut gesenkt

Die Europäische Zentralbank hat es wirklich getan. Viele Jahre, nachdem die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins nach ganz unten geschraubt hat, ist die EZB diesem Beispiel gefolgt und hat den Leitzins für die Euro-Zone auf nur noch 0,05% Prozent gesenkt. Damit ist ein neues historisches Tief erreicht. Ob diese weitere Zinssenkung außer sinkenden Sparzinsen aber wirklich etwas bringen wird, sei dahingestellt. Dies wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.