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Niedrige Zinsen belasten den Mittelstand in Deutschland

Dienstag den 4.03.2014

Die niedrigen Zinsen, die es bereits seit längerer Zeit für sichere Spareinlagen wie Tagesgelder und Festgeld gibt, belasten nicht nur die privaten Sparer, sondern sorgen auch für immer mehr Probleme bei den Unternehmen. Vor allem der Mittelstand ist mittlerweile belastet von dem Niedrigzinsniveau, das hinsichtlich der Betrieblichen Altersvorsorge zunehmend für Belastungen sorgt.

Insgesamt gibt es laut Angaben des DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) 24 Milliarden Euro an Pensionsverpflichtungen in der Privatwirtschaft in Deutschland. Doch das Zinstief, in dem sich die Spareinlagen hierzulande bereits seit Jahren befinden, sorgt dabei in den mittelständischen Unternehmen immer mehr für Kopfzerbrechen.

Niedrigzinsen bringen Betriebliche Altersvorsorge in Gefahr

Alexander Schumann, der Chefvolkswirt des DIHK, betonte kürzlich gegenüber der Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“: „Die lang anhaltende Niedrigzinsphase ist eine erhebliche Belastung für Unternehmen mit Pensionsverpflichtungen“. Und genau hier zeigt sich die Problematik einer Zinspolitik, die ohne Wenn und Aber von der Europäischen Zentralbank gefahren wird, ohne jede Rücksicht auf Verluste.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Experten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags davor gewarnt, dass es durch die niedrigen Sparzinsen zu einer Deckungslücke in Milliardenhöhe gekommen sei. Die Lage wird nun jedoch immer brisanter, da der Leitzins gegenüber vergangenem Frühjahr inzwischen noch deutlich niedriger – und ein Ende Zinspolitik der EZB nicht in Sicht – ist.

Die Deckungslücken, welche die Betriebe im Bereich der Pensionsverpflichtungen haben, könnten im schlimmsten Falle dazu führen, dass mittelständische Unternehmen diesen nicht mehr nachkommen kommen. Früher oder später muss die Deckungslücke dann selbst getragen werden, wenn die Pensionsrückstellungen nicht mehr reichen und dies könnte bei dem einen oder anderen Betrieb wohl durchaus zur Zahlungsunfähigkeit und damit zum direkten Weg in die Pleite bzw. in die Insolvenz führen.

Steht die Europäische Zentralbank vor der nächsten Leitzinssenkung?

Doch die Gefahr könnte noch viel schlimmer werden für die Betriebliche Altersvorsorge. In zwei Tagen tritt der EZB-Rat zu seiner monatlichen geldpolitischen Sitzung zusammen und dabei wird auch eine Entscheidung in Sachen Leitzins und damit auch Leitzinssenkung gefällt werden müssen.

In den letzten Wochen haben sich die Signale vermehrt, dass es zu einer weiteren Senkung des Leitzinssatzes kommen könnten, falls die Notenbank nicht endlich die Augen öffnet und den Realismus zu Tage trägt, auf den man bei ihr seit Jahren vergeblich wartet.

Damit könnte es gut sein, dass die Entscheidung, die gefällt wird, wieder einmal gegen die Wirklichkeit getroffen werden wird und es zu einem Leitzinssatz von nur noch 0,10 Prozent oder sogar 0,00 Prozent kommt. Dies würde jedoch bedeuten, dass die Zinsen für sichere Spareinlagen hierzulande noch weiter sinken würden – und die Deckungslücke in der Betrieblichen Altersvorsorge damit noch weiter wachsen würde.

Die Europäische Zentralbank spielt damit nicht nur einfach mit dem Leitzins, sondern auch mit dem Wohl (und damit der Zukunft!) des deutschen Mittelstandes. Vielen ist dies möglicherweise gar nicht bewusst, aber für Deutschland sollte und müsste sich damit immer mehr die Frage stellen, ob es wirklich eine Zukunft für unser Land in der Euro-Zone geben kann, wenn weiter so haarsträubende Entscheidungen getroffen werden, die unser Land früher oder später wirtschaftlich in den Abgrund ziehen könnten.

Natürlich boomt Deutschlands Wirtschaft noch. Und es geht uns gut. Aber was ist, wenn die Unternehmen eines Tages nicht mehr in der Lage sind, die abgeschlossenen Verträge zur Betrieblichen Altersvorsorge aus den Pensionsrückstellungen zu bezahlen, sondern an die eigene Liquidität müssen? Dann könnte es ganz schnell ganz anders aussehen im Wirtschaftswunderland Deutschland…


 
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