1,00% p.a.



Aktueller Festgeld Test – Finanztest stellt eigene Regeln auf

Mittwoch den 17.12.2014
Leserheft Finanztest

© Finanztest

Nicht erst seit gestern werden die Testergebnisse von Stiftung Warentest und der dazu gehörenden Zeitschrift „Finanztest“ hinterfragt. Beim aktuellen Festgeld Test kommt die Zeitschrift zu Ergebnissen, die alles andere als dem Bild der tatsächlichen Zinslage entsprechen.

In der den Test von Festgeldkonten begleitenden Pressemitteilung schreibt Finanztest: „Finanztest nimmt nur Institute in seine Zinstabellen auf, hinter denen eine vertrauenswürdige Einlagensicherung steht. Das Geld der Sparer ist bei diesen Banken sicher.“ Nun, das klingt auf den ersten Blick gut und auch schön. Auf den zweiten Blick, bei der Sichtung der Testergebnisse, fangen wir uns dann an zu fragen: Wo wird bei der Redaktion von Finanztest bitte der Unterschied gemacht zwischen einer „vertrauenswürdigen“ Einlagensicherung und einer, die es angeblich aus Sicht der Redaktion der Zeitschrift nicht ist?

Hohe Zinsen – aber kein Interesse an Transparenz?

Vor einem knappen Monat hatte Stiftung Warentest auf Test.de geschrieben, dass Weltsparen.de, da es eine Plattform für Banken aus dem Ausland ist, nicht weiter in Zinstest aufgenommen werden würde. Als Grund wurde hierfür seitens Finanztest genannt: „Die Betreiber machen deutschen Anlegern ausländische Zinsangebote zugänglich (Special Festgeld: Hohe Zinsen im Ausland kassieren, Finanztest 3/2014), erfüllen aber nicht unsere Anforderungen.“

Nun ist natürlich die Frage: Wieso eigentlich nicht? Weltsparen.de bietet verschiedene Festgeldkonten von mehreren ausländischen Banken an. Darunter ist auch die polnische Alior Bank, die beim Zinstest von Finanztest einfach unter den Tisch gefallen lassen wird. Warum? Weil sie nur von Weltsparen.de angeboten wird? Oder weil es eine polnische Bank ist? Beides ist gleichermaßen irrsinnig und fragwürdig.

Polnische Bank fällt unter den Tisch

Der Bankenstresstest 2014, dessen Ergebnisse die Europäische Zentralbank im Oktober dieses Jahres veröffentlicht hat, war eine harte Nummer für die großen Banken in Europa. Einzig die Banken eines Landes bestanden dabei durch die Bank weg – und das ist Polen.

Warum Finanztest sich gegen die Aufnahme der polnische Alior Bank in den Zinstest weigert, ist deshalb mehr als fragwürdig. Polen hat eine geringe Staatsverschuldung, die Gesetzliche Einlagensicherung des Landes ist gut aufgestellt, und den Banken im Land geht es finanziell deutlich besser als in anderen Staaten der Euro-Zone.

Die Alior Bank, bei der über Weltsparen.de Festgeldkonten auch von Bundesbürgern eröffnet werden können, bietet derzeit eine Verzinsung von 2,10 Prozent p.a. an, für eine Laufzeit drei Jahren. Damit ist dieses Festgeldkonto eines der derzeit besten, die es für deutsche Sparer gibt. Nur: Die Zeitschrift Finanztest aus dem Hause Stiftung Warentest interessiert dies nicht. Denn die Bank passt ihnen irgendwie nicht in den Kram und deshalb auch nicht in den Zinstest.

Ohne jährliche Zinsgutschrift keine Chance

Ein weiterer Knackpunkt, den Sparer dringend hinterfragen sollten, wenn sie den aktuellen Festgeld-Test von Finanztest nutzen wollen, ist die Zinsgutschrift der dort erwähnten Angebote. Es werden, neben der „vertrauenswürdigen Einlagensicherung“, nur Festgeldkonten aufgenommen, die eine mindestens jährliche Gutschrift der Zinsen aufweisen können. Nun ist aber die entscheidende Frage: Was ist mit den gut verzinsten Festgeldkonten, bei denen die Gutschrift, wie mitunter bei Banken dieser Anlageart nun mal üblich, erst am Ende der Laufzeit gut geschrieben werden? Diese fallen bei dieser seltsamen Form des Auswahlverfahrens zwischen vermeintlich guten Festgeldkonten und weniger guten Festgeldern einfach unter den Tisch.

J&T Banka aus Tschechien – bleibt unerwähnt

Unerwähnt beim Zinstest bleibt auch die tschechische Bank J&T Banka. Wie der aktuelle Festgeldrechner zeigt, erhalten deutsche Sparer bei der J&T Banka derzeit  1,80 Prozent p.a. für 12 Monate und 2,00 Prozent p.a. für 24 Monate Anlagedauer.

Für das 2. Quartal 2014 wurde eine Staatsverschuldung der Tschechischen Republik von 44,2 Prozent des BIP festgestellt. Die Verschuldung des Landes ist damit gegenüber dem Vorjahr gesunken. Für das Gesamtjahr 2013 hatten Statistiker eine Staatsverschuldung von 46,0 Prozent des BIP festgestellt. Damit ist die Verschuldung des Staates relativ niedrig anzusehen. Vergleichbar dazu lag die Staatsverschuldung Deutschlands im 2. Quartal dieses Jahres auf 75,4 Prozent und im vergangenen Jahr auf 78,4 Prozent.

Lässt man sich diese Zahlen durch den Kopf gehen, sieht man vor allem eines: In Sachen Staatsverschuldung hat Deutschland die Nase vorn und dies im negativen Sinn. Dennoch stellt niemand die Gesetzliche Einlagensicherung des Landes in Frage. Wieso wird dies dann bei der Tschechischen Republik getan?

Österreichische Banken nicht erwähnenswert?

Gleich mehrere Banken, die ihren Sitz in Österreich haben, gehören zu den aktuellen Spitzenanbietern in Sachen Festgeld. Dennoch scheint ein Teil der Institute für Finanztest keine Rolle zu spielen beim Zinstest. So wird zwar die VTB Direktbank erwähnt, unter den Tisch fallen jedoch die in Sachen Zinsen attraktiven Festgeldkonten der DenizBank und der Sberbank Direct. So ganz zu verstehen, wieso beim Festgeld Test zum Ende dieses Jahres hin der große Unterschied gemacht wird, ist das ehrlich gesagt nicht.

Beim Zinstest sollte die Höhe der Zinsen entscheidend sein

Wirkliche Ergebnisse kann ein Zinstest, egal ob für Festgelder oder Tagesgeldkonten, nur dann bringen, wenn auch tatsächlich alle Banken und deren Zinsangebote in den Test selbst einfließen. Sonst wird unserer Ansicht nach der Sparer entmündigt. Der Spitzenanbieter wird dem Sparer somit vorenthalten und das nur, weil der Testersteller, in diesem Fall die Zeitschrift Finanztest, seine eigenen, an den Haaren herbeigezogenen Regeln aufstellt.

Ein Zinstest, bei dem solche massiven Einschränkungen vorgenommen werden, kann kein wirklich transparentes Ergebnis liefern, da ein Teil der Anbieter, die Spitzenzinsen für die jeweilige Anlageart bieten, einfach unter den Tisch fallen gelassen werden. Entweder ist man so ehrlich und benennt alle Anbieter, mit den möglichen Schwächen aber auch mit den Stärken. Oder man unterschreibt einen solchen Zinstest mit: Nur für Sparer, die der Stiftung Warentest Vertrauen schenken wollen!

Apropos Vertrauen. Erinnern Sie sich noch an das Jahr 2010, als die deutsche noa bank von der BaFin, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, dicht gemacht wurde? Bei Finanztest wird man sich vielleicht nicht mehr gerne daran erinnern. Hatte man dort die Bank doch nur wenige Monate zuvor in die Bestenliste der Spitzenanbieter für Tagesgeldkonten aufgenommen. Tja, dann rauschte die Bank in die Insolvenz und einzig ÖKO-TEST hatte schon monatelang davor gewarnt. Während bei der Stiftung Warentest die noa bank weiter in der Bestenliste geführt worden war…

Festgeldanlagen in Deutschland von 2012 bis 2014

Festgeldanlagen bis 2014

© Statista.de


 
Zinspilot Banner 160x600