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Nach der Leitzinssenkung: Flüchten Sparer nun massenhaft in Risikoanlagen?

Donnerstag den 5.06.2014

Die Europäische Zentralbank hat es getan, und sowohl den Leitzins gesenkt wie auch den Einlagenzins für Bankeinlagen bei der EZB.

  • Der Leitzins wurde von bislang 0,25 Prozent auf 0,15 Prozent gesenkt,
  • der Einlagenzins von bislang 0,00 Prozent auf minus 0,10 Prozent.

Doch was bedeuten die Leitzinssenkung und die Einlagenzinssenkung für die deutschen Sparer und Anleger?

Sparzinsen werden wohl in den Keller rauschen

Da die EZB nicht nur den Leitzins, sondern auch den Einlagenzinssatz für die Bankeinlagen gesenkt hat, dürfte wohl eines klar sein: Die Sparzinsen werden in den Keller rauschen. Alles andere wäre mehr als erstaunlich – wäre aber letztlich, je nachdem wie die Banken reagieren wird, auch im Rahmen des Möglichen.

Quellen:

  • Statistische Ämter des Bundes und der Länder

Eher ist jedoch zu erwarten, dass die Banken die Zinsen für ihre angebotenen Sparkonten und Sichteinlagen wie Festgelder und Tagesgeldkonten weiter senken werden. Für Sparbücher gibt es bereits seit Jahren fast ausnahmslos schon nur noch so niedrige Zinsen, dass hier eine weitere Senkung der Zinsen auch kaum mehr etwas ausmachen dürfte. Und mal ehrlich, wer spart in den Zeiten von halbwegs gut verzinsten Tagesgeldkonten noch auf schlecht verzinsten und dazu auch noch sehr unflexiblen Sparbüchern?

Risikoanlagen statt sicherer Spareinlagen?

Die Frage, die sich nun stellt, ist natürlich klar:

  • Was werden Anleger und Sparer jetzt tun, wenn die Sparzinsen möglicherweise in den freien Fall hineingehen werden? Werden sie nur noch auf Konsum setzen, anstatt weiter etwas auf die hohe Kante auf sicheren Sparkonten zu legen?
  • Oder wird sich der Wind in Deutschland nun drehen, und die Sparer setzen statt wie bisher auf sichere Anlagen auf Risikoanlagen, um eine tatsächliche Rendite zu erwirtschaften?

Verbraucherschützer wie auch Verbände wie der DSGV, der BVR und der GDV hatten bereits im Vorfeld vor einer Senkung des Leitzinssatzes wie auch einem negativen Einlagenzins für die Banken gewarnt. Gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“ hatte sich gestern der Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, geäußert. In dem Interview mit Reuters machte Müller deutlich: „Das könnte ein noch stärkerer Anreiz für Verbraucher sein, in spekulative Anlagen zu gehen. Meine Sorge ist, dass dann die Probleme, zum Beispiel auf dem Grauen Kapitalmarkt, noch einmal zunehmen.“

Festgeldrechner:


Gerade der Graue Kapitalmarkt hatte in den letzten Wochen und Monaten zahlreich für Negativschlagzeilen gesorgt durch die Pleite von Prokon. Der Windparkfinanzierer hatte über Jahre hinweg für seine Genussscheine mit hohen Festzinsen geworben. Vielen Anlegern war dabei nicht klar gewesen, dass diese Anlageart kein über die Einlagensicherung abgesichertes Festgeldkonto ist, sondern ein Schuldschein, der mit der Pleite des Unternehmens nur noch wenig bis gar nichts mehr wert ist.

Informieren vor dem Anlegen!

Dies zeigt, wie wichtig es ist, sich vor einer Anlage, welche Rendite dabei auch immer versprochen wird, gründlich zu informieren. Je höher die Zinsen derzeit sind, die angeboten werden, desto höher ist nun mal auch das Risiko, das der Anleger dabei trägt.

Dies ist vor allem auch dann wichtig, wenn das für die Geldanlage eingesetzte Geld früher oder später benötigt wird, und eben nicht über ist. Oder gar für die Private Altersvorsorge eingesetzt werden soll und im Ruhestand später damit zur Verfügung stehen muss.

Tagesgeldrechner:


Was Sparer und Anleger jetzt tun können außer sich zu informieren, ist mit dem heutigen Stand der Dinge schwierig zu beantworten. Dies wird erst die nächste Zeit zeigen können, in der Reaktion der Banken auf die heutigen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank. Aber wer jetzt auf Tagesgeldkonten mit Zinsgarantie oder Festgelder mit kurzer bis mittlerer Laufzeit setzt, der wird damit sicher schon mal wenig verkehrt machen hinsichtlich der hohen Wahrscheinlichkeit, dass die Sparzinsen in Folge dieser Entscheide durch den Rat der EZB weiter fallen dürften.


 
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