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Was passiert, wenn die Leitzinsen in den USA steigen?

In den USA gibt es derzeit ein wiederkehrendes Ereignis, dass den gesamten Finanzmarkt nervös macht: Janet Yellens regelmäßiger Gang vor die Mikrofone. Seit die Vorsitzende der US-Notenbank Fed erklärte, dass es Zeit sei, die Zinssätze „allmählich und vorsichtig anzuheben“1, blicken viele Ökonomen und Anleger mit bangem Blick auf den Zeitpunkt der Umsetzung.


Was ist geplant?

Dass der Wille besteht, den Leitzins wieder in „übliche“ Zins-Gewässer zu führen, bekräftigten die US-Notenbanker mehrfach. Der erste (schmale) Schritt wurde im Dezember 2015 gesetzt – mit einer dezenten Anhebung um 25 Basispunkte auf 0,25 bis 0,50 %. Stellt sich die Frage, wie und wann weitere Anstiege geplant sind? Experten sehen hier primär zwei Szenarien: Entweder klettert der Leitzins bereits 2016 und dann für zwei Jahre in gleichmäßigen Schritten (z. B. jedes Vierteljahr). Oder die Notenbank wartet bis zum 2. Halbjahr 2017, was einen beschleunigten Anstieg in zwölf kurzfristigen Stufen nach sich ziehen würde. Egal, welche Variante die Fed schließlich wählt: Der Leitzins geht nach oben. Das ist ausgemachte Sache.

Quellen:

  • Federal Reserve System

Welche Auswirkungen hat die Erhöhung des US-Leitzinses?

Das kommt auf den jeweiligen Blickwinkel an: Geht mit dem Anstieg des Leitzinses z. B. eine Stärkung des US-Dollars einher, hat dies unter Umständen negative Auswirkungen auf diverse Schwellenländer.

Riskant für Schwellenländer sind in erster Linie die immensen Kapitalabflüsse. Schichten Anleger ihr Kapital aufgrund steigender US-Zinsen um, leiden Staaten wie Brasilien oder China beträchtlich darunter.

Viele Regierungen bzw. Unternehmen in den Schwellenländern haben hohe Schulden in US-Dollar angehäuft. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schätzt, dass im dritten Quartal 2015 ca. 1,1 Billionen an Dollar-Anleihen von Nicht-Banken in Emerging Markets aufgelegt wurden. Damit hat sich das Volumen innerhalb von sieben Jahren mehr als verdoppelt (2008: 509 Mrd. US-Dollar).

Die gesamte Dollarverschuldung außerhalb der USA liegt nach Angaben der BIZ bei rund 9,8 Billionen Dollar (Stand: 2015)2. Gestiegen sind diese Schulden besonders in China, Mexiko, der Türkei, Chile und Südafrika.

Ein Blick nach China: Dort läuft fast ein Viertel aller Unternehmenskredite in US-Währung. Die Gewinne werden jedoch in Yuan geschrieben. Entsprechend wenig Interesse besteht in einer Aufwertung des US-Dollars. Zuletzt wurde deshalb bereits mit einer Abwertung des Yuan gespielt. Wenn sich die Wirtschaft nicht anders stabilisieren lasse, dann eben mit drastischen Maßnahmen. Märkte wie Malaysia oder Taiwan dürften den Effekt spüren, da ihre Wirtschaft eng mit dem chinesischen Markt verflochten ist. Fazit an dieser Stelle: Mit einem erstarkten Dollar wird der Schuldendienst teuer für die Schwellenländer.

Darüber hinaus erwarten Experten zahlreiche „Nebeneffekte“, beispielsweise extreme Kursschwankungen an den Finanzmärkten – im schlechtesten Fall. Auch hier geraten die aufstrebenden Märkte eventuell in den Mittelpunkt.

Wie wird sich der Anstieg für Verbraucher zeigen?

Für den Verbraucher spiegelt sich der Zinsanstieg zunächst in einem veränderten Wechselkurs wider. Der Euro wird erwartungsgemäß etwas gegenüber dem US-Dollar verlieren. Importe aus den USA werden damit teurer. Umgekehrt verbilligen sich aber Exporte aus der EU.

Da Rohöl in US-Dollar gehandelt wird, werden die Preise für Benzin wahrscheinlich leicht zulegen.

Urlauber in den Vereinigten Staaten müssen ebenfalls tiefer in die Tasche greifen.

Gibt es Gewinner der Leitzinserhöhung?

Zunächst einmal lässt sich sagen, dass ein Anstieg der Leitzinsen in den USA nur dann Sinn ergibt, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die US-Notenbanker sind in dieser Hinsicht verhalten optimistisch. Die Konjunkturdaten in den USA sind (trotz einiger Einwände) gut, die Arbeitslosigkeit liegt unter 5,00 %3. Insofern ist die Erhöhung ein Signal dafür, dass die weltweit größte Volkswirtschaft sich erholt und die Spuren der Finanzkrise langsam verschwinden.

Einige Märkte sehen einen steigenden Leitzins und einen starken US-Dollar auch als anregendes Element. So erwartet die japanische Exportwirtschaft einen positiven Trend. Zwischen der Entwicklung des US-Dollars, des Yen und des Nikkei besteht überdies eine hohe Korrelation4.

Ist die Niedrigzinsphase in den USA am Ende?

Ein klares „jein“. Der Leitzins liegt mit 0,25 bis 0,50 % weiter tief im Tal. Zu schnelle Schritte darf also niemand erwarten. Als Folge wäre eine rasante Aufwertung des US-Dollars zu erwarten, was negativ für die Entwicklung des US-Wirtschaftsraums wäre. Insofern wird die Fed den Leitzins nur behutsam anheben.

Wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen anheben?

Nein. Die EZB wird ihren Kurs der Niedrigzinsen weiter beibehalten und den Leitzins bei 0,00 % belassen. Das momentane Anleihenkaufprogramm wird bis mindestens März 2017 bestehen bleiben. Verlängerung möglich.

Fazit

Vieles bleibt Spekulation, einiges ist wahrscheinlich. Unterm Strich wird die US-Notenbank Fed die Leitzinsen weiter erhöhen – wenngleich nur sehr langsam.

Quellen
1 Handelsblatt, Niedrigzinsen und Geldanlagen in Gold vor höchstem Quartalsgewinn seit 25 Jahren, 31.03.2016
2 BIZ, Debt securities statistics
3 Statistik: Arbeitslosenquote in den USA
4 Focus Money: „Nicht unser Problem“, S. 10, Ausgabe 24.2016

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